„Die Kunst des Tees muss man wissen, ist nichts anderes, als Wasser kochen, Tee zubereiten und trinken“

Rikyu

Sen no Rikyū (1522-1591) war ein Mann mit ganz einfachem Geschmack. Er wollte nur das Beste. In diesem Sinn hat er sich um die Zubereitung des Tees Gedanken gemacht und wichtige Grundlagen der Tee Zeremonien gelegt.

Wir erleben eine Tee Zeremonie, in der Stephen der Tee Meister und Tyas der Gastgeber sind. Wir entledigen uns unserer Socken, ziehen frische weisse an und lassen das hektische Leben vor der Tür. Bevor wir den Raum betreten, verbeugen wir uns und nehmen im Kniesitz Platz. Wer dafür zu steif ist oder zu alt, darf sich auf ein Höckerchen setzen. Der Tee Meister ist schon anwesend, im grünen Kimono gekleidet und verbeugt sich gleichfalls. Auf tritt der Gastgeber. Er bringt auf einem mit Klavier Lack gestalteten Tablett den Tee in einem kleinen Keramikdöschen, eine große Trinkschale (was haben dicker Matcha Tee und Pfälzer Schorle gemeinsam? Verrate ich später), die Utensilien zum portionieren und Mischen. Er verbeugt sich und setzt sich gleichfalls im Kniesitz.

Franka schlafen die Beine ein, sie bekommt eine Sitz Hilfe. Dann die Prozedur, die wir schon kennen: Auswaschen und Anwärmen der Trinkschale, Anwärmen und geschmeidig machen des Mischpinsels, Abtrocknen der Trinkschale. Dann wird der Tee (5 Schäufelchen) ins Trinkgefäß gegeben und eventuelle Knubbel werden zerdrückt. Alles langsam mit abgezirkelten Bewegungen. Dann wird das heiße Wasser mit einer aus Bambus gefertigten Schöpfkelle in das Trinkgefäß gegeben, erst am Rand, dann in der Mitte. Dann werden mit dem Chasen (Matchabesen) Tee und Wasser verrührt – nicht geschäumt, wie beim dünnen Matchatee! Der Gastgeber übergibt das Gefäß an den Tee Meister, der die Farbe und Konsistenz überprüft.

Er verbeugt sich zufrieden und stellt das Gefäß vor den Gast, in diesem Fall vor Franka. Diese nimmt das Gefäß mit einem dieser superästhetischen japanischen Tücher und hebt es auf Augenhöhe, um die meisterliche Töpferkunst zu begutachten. Sie scheint zufrieden und begutachtet die Farbe des Tees und seine Konsistenz (Bis dahin ist noch kein Schluck getrunken!). Dann stellt sie das Gefäß ab, wendet sich mir zu und fragt, ob ich denn wohl den ersten Schluck genießen will. Höflich lehne ich ab und sie nimmt da Gefäß wieder auf, dreht es um 90° im Uhrzeigersinn und trinkt bedächtig ein, zwei Schlucke. Sie stellt fest, dass dieser Tee alles übertrifft, was sich bis dato als Tee bezeichnet hat und stellt das Gefäß ab und verbeugt sich vor Teemeister und Gastgeber. Dann reicht sie das Gefäß an mich weiter, damit ich gleichfalls zwei, drei Schlucke trinken kann. Vorgehensweise und Ergebnis sind die gleichen.

Und weil der Tee so gut geschmeckt hat, bekommen wir das gleiche noch einmal mit dem Ergebnis, dass wir nach der Zeremonie einen Mords Hunger haben und erst mal essen gehen müssen. Der Tee Meister hatte uns das schon voraus gesagt. Aber davor gab es erst Mal ein Erinnerungsfoto.