Massage bei den Blinden
Vietnam scheint eine Politik zu Gunsten von behinderten Menschen zu verfolgen, welche diese ins normale Geschäftsleben integriert. Mehrfach wurden wir in Geschäfte geschleust, in denen „handicapped people“ Bilder nach Vorlagen sticken, sehr sehr feine Stiche, die man nur bei näherem Hinsehen unterscheiden kann. Mein Gefühl ist da etwas gespalten, denn die Bilder werden für einen Appel&Ei verkauft und überall gibt es die gleichen. Hat etwas von Fließband Arbeit an sich.
Als wir aber in Hue erfuhren (bei Wikitravel), dass dort ein Massagesalon von Blinden betrieben wird, waren wir angetan. Das Taxi brachte uns zu einem Gebäude, welches sowohl Wohnheim, wie auch Arbeitsstätte der Masseure ist. Termin war kein Problem, es schien nicht sehr überlaufen zu sein, war auch mitten am Tag. Wir wurden in eine „Zelle“ geführt, wo die Massageliege stand und hinter der ein Raum für das Kräuter Dampfbad war. Da setzt Du Dich rein, es riecht – na wonach denn wohl? – ja, nach Kräutern, sehr angenehm. Der Dampf dampft, der Schweiss bricht aus und Du sitzt dort eine halbe Stunde auf einem Kindergarten Hocker, wie er in ganz Vietnam üblich ist. Der Dampf entsteht, indem aus einem Rohr in der Wand auf einen Korb mit Kräutern kochendes Wasser läuft.
Dann ist Schwitzen zu Ende und nach einer kurzen Dusche kommt ein kräftiger Bursche in den Raum und komplimentiert Dich auf die Liege. Er ist blind, findet aber alles. Er massiert Kopf und Hals und befreit erst mal die Halswirbel von der Blockierung, die ich seit der TranSib mit mir herum trage. Dann widmet er sich Armen und Beinen, die er lang zieht, mit Fäusten und Ellenbogen behämmert, beklatscht und knetet. Dabei zeigt er durchaus ein Gefühl für Rhythmus, indem er kurze Sequenzen klopft und klatscht. Wenn ich nicht auf dem Bauch gelegen hätte, ich hätte mit klatschen können. Als dann der Rücken dran kam, wurde es erst richtig groovig. Tschak-Bumm, TschakkTschakk, Wamm; Kurze Klatsch Sequenzen wurden von dumpfen Schlägen auf die Brust und Lendenwirbel gefolgt. Dann wieder Kneten und Ziehen – die Haut hat es aber gehalten, wurde nicht abgeschält.
Nach einer Stunde war alles vorbei, unsere kleine Rythm & Massage Session war vorbei. Ich fühlte mich sehr entspannt und finde, dass dieser Blinden Verein einen sehr guten Job macht.Franka ist’s wohl genauso gegangen, wie mir. Allerdings war ihre Masseurin höchsten 150 cm groß, hatte aber power in den Fäusten.

Weiter so!