DIE OPER VON AUSSEN UND VON INNEN

Die Führung wurde von Monika in deutscher Sprache durchgeführt. Sie ist vor 20 Jahren ausgewandert und sprach jetzt immer von „wir“, da sie sich mit der Geschichte und dem Bau der Oper völlig identifizierte.

Welches Bild hat man sofort vor Augen, wenn man an die australische Hafenstadt Sydney denkt? Klar: die knallweißen, haubenartigen, ineinander verschachtelten Dächer des Opernhauses. Wie geblähte Segel ragt das Dach 67 Meter hoch in den Himmel – passend zum Standort: Das Opernhaus liegt umtost von Wind und Wetter auf einer kleinen Landzunge direkt am Hafen. Dass es vierzehn Jahre dauern sollte, bis dieses spektakuläre Bauwerk 1973 eröffnet werden konnte, das hat sich anfangs niemand träumen lassen…

1957 wurde von der Australischen Regierung der Wettbewerb ausgeschrieben. Jørn Utzon beteiligte sich als No-Name an dem internationalen Wettbewerb. 233 Vorschläge aus 28 Nationen wurden eingereicht. Aber sein Entwurf faszinierte die Jury am meisten: Sein Opernhaus war eine ausdrucksstarke, riesige Skulptur und brach mit dem allgemeinen Rationalismus des internationalen Architekturstils. Das war etwas völlig Neues, Bahnbrechendes, Visionäres in der damaligen Zeit! Und dabei erfüllte sein Entwurf noch nicht einmal die strengen Auflagen eines Wettbewerbsbeitrags – er hat offensichtlich nur eine recht grobe Skizze eingereicht. Die Entwurfszeichnung war mehr eine große Orientierung als ein umsetzbares Konzept.

Wer war Jørn Utzon? Er war ein Däne, Sohn eines Yacht Konstrukteurs, der diesen Entwurf 1957 mit Erfolg durch gebracht hat. Vielleicht hat der Beruf seines Vaters auch eine Rolle gespielt, wie oft interpretiert wird. Bis dahin hatte er nur Wohnhäuser entworfen. Ein One-Hit-Wonder.

Die Bauzeit sollte 1965 beendet werden. Durch Schwierigkeiten konstruktiver Art und auch finanziellen Problemen verzögerte sich die Fertigstellung bis 1973. Die Kosten liefen völlig aus dem Ruder. Sie steigerten sich von ursprünglich 17 Mio Aus$ um das 4-fache auf über 70 Mio Aus$. Zwischen Architekt und dem -damals noch jungen – Ingenieurbüro von Ove Arup gab es dermaßen Probleme, dass sich Jørn Utzon 1966 aus dem Bau zurückzog (bzw. von der Regionaladministration der Baustelle verwiesen wurde) und der Fertigstellung nicht beiwohnen mochte.

Australische Architekten und der Ingenieur Ove Arup brachten das Werk zu Ende: Die Dächer der Oper bestehen aus symmetrischen Beton-Schalenpaaren, die jeweiligen Hälften sind fächerartig gestaltet und liegen an nur einem Punkt auf. Sie haben alle die gleiche Krümmung als wären sie alle aus derselben Kugel herausgeschnitten worden. Die hintereinander liegenden Schalen stützen sich gegenseitig. 2007 wurde das Opernhaus zum UNESCO Welterbe ernannt.

1973 eröffnete die britische Königin, Elisabeth II die Oper.

Sein Sohn, Kim Utzon, hat die Entfremdung zwischen auherr und Archetekt überwunden und ist heute ein oft gesehener Gast, wenn es um architektonische Fragen de Oper geht.

Unsere Führung zeigte die kleinen und großen Bühnen, sowohl die Schauspielbühne, wie auch die Opernbühne. Die äußere Gestalt der Gebäude findet im Inneren ihre Entsprechung. Sehr viel Holz wurde verarbeitet, aber am meisten haben uns die Ausblicke beeindruckt, die auf den Hafen und auf die offene See hinaus gingen.

Wir werden am Sylvester Abend wieder in der Oper sein, die Operngala erleben, vor und danach in den Räumen sein, wo Dinner und after Performance Party stattfinden. Extra deswegen schleppe ich seit dem 1.Oktober einen Anzug mit mir herum, ich hoffe, es wird sich lohnen. Wir werden berichten!