Wir sitzen in Melbourne am Flughafen, denn unser Flieger geht morgens früh um 8:00  nach Auckland. Der Flug fängt sehr gut an. Wir werden nämlich up gegradet auf die Business Class. Da können wir mal sehen, wie die upper Tausend verwöhnt werden: Einen eigenen, abgetrennten Sitz mit allem Komfort, erst mal ein Gläschen Schampus von Möd und Schandongg, warmes Tuch, um sich den Schweiss von der Stirn zu wischen, vom Frühstück will ich mal garnicht reden. Nach 3-ein halb Stunden Landung in Auckland, New Zeeland. Pass Kontrolle, Ganzkörperscan und der ganze Zirkus, man hat sich daran schon gewöhnt.

Uns fiel schon gleich auf, bzw. wir wussten es schon, dass die Kiwis ganz eigen sind, was den Import von Lebensmitteln und Dreck an den Schuhen betrifft. Sie haben Angst, dass die Fruchtfliege das Land kapert und die Ernten vernichtet. Wir hatten noch zwei Flaschen Wein und einige Gläser mit Tomaten-Chutney und dergleichen aus Australien dabei, alles in original verschlossenen Gläsern, ungeöffnet. Ferner hatten wir ein zwanzig Gramm fassendes Glas mit Original australischem Honig dabei, ein Geschenk für die Tochter Julia. Was wir nicht wußten: Honig ist ganz, ganz streng verboten für nach New Zeeland rein zu schmuggeln. Er wird nicht erhitzt (auße Langnese) und kann deswegen Fruchtfliegeneier enthalten, die heimlich in den Waben abgelegt worden sind. Hätte ich doch das Glas in meine Hosentasche gepackt! Keinem wäre es aufgefallen. So aber wurde der Koffer durch den Bio Scanner geschoben und – peng! – rechts raus und ausgepackt. Angedroht waren 400 NZ-$ Strafe! Wir sprachen mit Engelszungen auf die Kontrollöse ein, nein, der Officer mußte ran. Dieser mit düster umfurchter Stirn prüfte den Fall gründlich und bat uns in eine Ecke. Also, Honig:ganz gefährlich, weil s.o., Unkenntnis schützt vor Strafe nicht, aber da wir amtsnotorisch noch nicht auffällig geworden seien wolle man Gnade vor Recht ergehen lassen und es mit einer Belehrung und Ermahnung bewenden lassen. Den Honig allerdings, den müsse man entschädigungslos einziehen und vernichten – ein salomonisches Urteil. Sorry, Julia, dann wird’s leider nichts mit dem Brötchen mit Australischem Honig, zu mehr hätte es ohnehin nicht gereicht. Aber wir haben noch russischen Honig, der schmeckt auch sehr gut.

Auckland Museum

You just dream of the ocean
Wave from the Aleutians crashing on the shore
And you’d dream of the Maori
Alive in the South Sea

Maori Songtext von Girlyman

Das Auckland Museum

…. ist bekannt dafür. die Maori Kultur der Ureinwohner Neu Seelands in Artefakten und Dokumenten dar zu stellen. Wir wollten alles sehen: die Maori Show (nicht so touristisch ausgeprägt), die Waffen der Māori (wichtig, denn die Māori waren im Pacific Raum die bad boys), ihre Dämonen und Geister (denn davor hatten sie echt Schiss) und ihre Häuser und Boote, mit denen sie einst von Hawaii (behaupten die Museums Māori – ich glaube aber, sie kamen eher von Polynesien) gerudert kamen. Und: wir haben es wirklich gesehen.
Das Museum gab uns Touristen Einblicke in eine Lebensform, die uns vollkommen fremd aber gleichwohl existent ist. Ein Leben mit Dämonen, die täglichen Kämpfe gegen benachbarte Stämme, die Dir das Land, das Leben und die Frauen abjagen und schließlich die Jagd nach Nahrung, da beschleicht uns Männer manchmal der Eindruck, dass die Frauen pragmatisch Beeren und Früchte sammelnd und manchmal auch den einen oder anderen Kiwi bratend die Meinung vertreten haben: Lass die Männer nur spielen, wir halten den Laden hier am Laufen. Na, ja, so viel anders ist es heute ja auch nicht.

Das Museum gab aber auch eine Māori Tanz-Show zum Besten: zwei Herren (etwas klein, aber muskulös) und zwei Damen (nicht ganz so klein, aber füllig) zeigten uns, wie die Māori den Jagd Zauber – auch gegenüber anderen Stämmen – zelebrierten, wie sie nette Gesellschaftsspiele spielten und wie sie gemeinsam tanzen. Das war eine recht schöne Show, wenn man in Betracht zieht, das es sowieso immer ein bisschen schwierig ist, dem Touristen aus Europa oder USA, der gesittet in seinem Einfamilien Haus lebt, einen Lebensentwurf vorzuführen, der heute auch nicht mehr existent ist, aber vor 100 Jahren den eingewanderten Europäern noch als das „echte“ Leben der indogenen Bevölkerung dargestellt wurde. Diese Brücke haben die 3 Damen und 3 Herren ganz gut geschlagen.

Nur wenige Tage später, in Rotorua sollten wir eine weitere Maori Show sehen. Diese wiederum war stark auf ein Holywood Show gebürstet mit Gesangseinlagen. Es war aber sehr nett gemacht, hat aber mit den Traditionen der Maori wahrscheinlich nicht so viel zu tun. Ich habe ein paar Bilde der Künstler in die Galerie geschmuggelt.

Der Waipoua Forest im Norden der Nord Insel ist vor allem wegen seiner riesigen Kauri Bäume bekannt. Diese können einen Durchmesser von 16 m und mehr und eine Höhe von über 50 m erreichen. Die 80 qkm Fläche wurde 1876 für schlanke 2000 Pfund den Maori abgekauft. Jeden Tag werden hunderte Touristen dort hin gekarrt, um sich diese gigantischen Bäume anzuschauen. Dabei wurde der Forst noch bis in die 50er Jahre forstwirtschaftlich genutzt – stand aber schon damals unter Schutz. Die ehemalige Holz Handels Station dient heute als sehr interessantes Museum, in dem Baum Scheiben, Maschinen der Holzverarbeitung vor 50 – 150 Jahren und Holzprodukte gezeigt werden. Vor allem wird auch das Harz der Bäume gezeigt, das im Boden und in den Bäumen gefunden wird. Es erinnert stark an Bernstein, vor allem mit den Insekt-Einschlüssen – hat wohl auch eine vergleichbare Entstehung. Wir wollten auch diese Rest des ehemals Flächen deckenden Waldes sehen und besuchten die größten Bäume früh Morgens, als noch keine Touristen unterwegs waren.

Der Vertrag von Waitangi

…. ist die älteste Verfassungsurkunde Neuseelands. Der Vertrag wurde am 6. Februar 1840 bei Waitangi in der Bay of Islands, auf der Nordinsel Neuseelands, von dem Lieutenant-Governour William Hobson, als Vertreter der britischen Krone, und 45 Chiefs der nördlichen Māori-Klans erstunterzeichnet. Herr Hobson macht ausweislich der Portraits, die von ihm überliefert sind, einen ausgesprochen toughen Eindruck. Ob die Maorie Chiefs ihm gewachsen waren? Da hätte ich doch Zweifel.

Mit dem Vertrag sollte die Souveranität der britischen Krone über ganz Neuseeland gesichert werden, zugleich aber die Macht der maorischen Häuptlinge über Land und ihre Clans gesichert. Der Vertrag wurde in Englisch und in Maorisch abgefasst, übersetzt von Henry Williams, Missionar dortselbst. Auf Grund von Übersetzungsfehlern und auch unterschiedlichem kulturellem Verständnis von Machtausübung der Chiefs und der Besitzausübung über natürliche Güter wurden letztlich von der Krone und den Maori Chiefs unterschiedliche Verträge in dem Glauben unterzeichenet, man habe identische Verträge abgeschlossen. Welche Illusion!

 „The Treaty“, wie die Neuseeländer den Vertrag häufig bezeichnen, machte Neuseeland zu einer britischen Kolonie und stellt den Anfang moderner Staatlichkeit Neuseelands dar. Der Treaty of Waitangi ist nach wie vor anwendbares Recht. Bis heute gibt es Rechtsfragen und konkrete Fälle, in denen der Vertrag unterschiedlich interpretiert wird. Heute regelt das 1975 über den Treaty of Waitangi Act 1975 gegründete Waitangi Tribunal solche Streitfragen. Māori können Ansprüche aus dem Vertrag vor diesem Tribunal geltend machen. Am 25. Juni 2008 unterzeichneten die Regierung Neuseelands und Vertreter von sieben Māori-Stämmen eine Übereinkunft, die die Regierung verpflichtet, rund 243 Millionen Euro Entschädigung für Verletzungen des Treaty of Waitangi zu zahlen. (siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Waitangi)

Das Museum auf dem Ort der Vertragsunterzeichnung besteht erst seit wenigen Jahren und ist dem entsprechend modern und ansprechend gestaltet. Neben den Vertragsdokumeten werdn auch Kultgegenstände und vor allem die berühmten Kriegskanus der Maorie, mit denen eine Streitmacht von bis zu 80 Kriegern in einem Boot transportiert werden konnte, ausgestellt. Zum Schluss gab es natürlich die unvermeidliche Maorie Schau mit – ohne geht es nämlich garnicht – dem HAKA.

Zu den Fotos

 

 

INS AUENLAND

“Es ist eine gefährliche Sache, Frodo, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.”

(Bilbo Beutlin)

Im Englischen steht der Name Hobbiton für den deutschen Namen Auenland. Das Dorf Hobbiton liegt nahe bei Matamata, südwestlich von Auckland. In dieser Region wurde sowohl die erste Folge des „Herr der Ringe“ gedreht, wie auch der später gedrehte Film „Der Hobbit“. Um das Auenland zu gestalten wurde ein ganzes Areal umgeformt und in das Dorf der Hobbits verwandelt.

Erst wenn man da gesehen hat kann man sich vorstellen, wie die gigantische Produktionskosten für den Film entstehen konnten.
Nach diesem Aufwand sind findige Leute auf die Idee gekommen, alles so, wie im Film zu lassen und für den Tourismus zu öffnen. Weltweit gibt es ausreichend Fans von Tolkins Roman und insbesondere seiner Verfilmung, die diese heile Welt der Hobbits sehen wollen. So entsteht ein Rummel, in den wir uns geduldig eingereiht haben. Wir wurden mit einem Bus zum Set gefahren, zusammen mit anderen, überwiegend Asiaten. Dort empfängt uns ein Guide, der uns durch das Gebiet führt und viele der Szenen aus dem Film mit dem in Verbindung bringt, was wir hier vor Ort sehen. Wir sehen die in den Hügel gebauten Häuser der Hobbits mit Gärten, bunten Blumen und den Ausstattungen der Handwerker. Wir sehen das Haus von Bilbo Beutlin, sehen die Kneipe, wo die Abschiedsparty für Frodo und die Reisegefährten stattfand, sehen den Weg, auf dem Gandalf das Dorf betritt und Frodo das Dorf verläßt. Der Guide zeigt uns die Stelle, an der Sam, der Freund und Reisegefährte Frodos anhält und äußert, das er bisher noch nie weiter aus dem Dorf gekommen sei -der Beginn des Abenteuers.
Alle lassen sich vor Bilbos Haus fotografieren und die Zahl der Selfies ist kaum abzuschätzen. Zum Schluss treffen wir uns alle in der Wirtschaft und dort gibt es gratis ein Bier, und zwar das Hobbit Bräu Bier, das sogar recht gut schmeckt.
Wir kaufen im Hobbit Shop das Buch, in dem auch die anderen Drehorte beschrieben sind, inclusive der geografischen Koordinaten. Diese Drehorte sind oft landschaftlich wunderbare Orte, die zu besuchen sich lohnt. Da werden wir sicher noch einige aufsuchen.

Die warmen Quellen von Waikato

Am Lake Taupo ist es heute kalt und bewölkt. Nicht sehr gemütlich. Wir überlegen, was wir anhand dieser Temperatur unternehmen wollen. Nicht weit von  Taupo, wo wir mal wieder Air B’nB bei Chanele (Bönnsch gesprochen: Dat Sch’nell) wohnen, sind die heißen thermischen Quellen von Waikato. Wir rein in unseren Nissan und nach 30 Minuten sind wir dort. Der Parkplatz ist übersichtlich besucht, also kann nicht viel los sein. Die Quelle erweist sich als eine Sache mit drei großen Becken, gespeist von zwei Quellen, die beide über 40° Wassertemperatur haben. Sie kommen aus 1400 m Tiefe und sind vulkanisch aufgeheizt. Der Eintritt kostet uns 25$ PePe, dafür sind maximal 10 Personen im Bad. Das gefällt uns. Wir steigen in den ersten Pool : der hat 38 oder 39° Celsius. Da kann man es aushalten.

Nach 20 Minuten wollen wir auch den von der Quelle direkt gespeisten Pool ausprobieren, der aber wärmer ist. Er hat ca. 42-43° ! Das ist aber schon sehr heiß! Nach 5 Minuten wechseln wir in den weniger heißen Pool.
Es regnet zwischendurch. Das ist wunderbar, wenn Du im badewannen-warmen Wasser liegst und der Regen kühlt dein heißes Haupt. Tscha, es kann einem schon gut gehen. Nach 2-3 Stunden haben wir genug und trollen uns nach Hause. Heute Abend ist Home Cooking angesagt; es gibt die unvergleichlich guten Lammkoteletts, aber im Stück als „Lammkrone“, wie man das bei uns zu Hause nennt. Aber so eine gute Lammkrone gibt es zu Hause leider nicht, nur hier, wo es mehr Schafe als Einwohner gibt.

Craters of the Moon
Craters of the Moon – ich weiss nicht, wer sich solche Namen ausdenkt. Dahinter steckt nichts anders, als ein Areal von ca. einem Quadratkilometer, in welchem die Erdwärme aus dem Vulkanischen Untergrund in Form von Dampf Wolken aufsteigt – insgesamt spektakulär anzuschauen. Mit Mond hat es absolut nichts zu tun.
Neuseeland liegt ja auf einer Kante, an der die Pazifische Platte auf die australische Platte aufstößt. Speziell die Nordinsel gehört zu dem pazifischen Feuerring, einem vulkanischen Ring, der den pazifischen Ozean umschließt und zu dem auch Japan gehört.. Daher rühren die vielen vulkanischen Phänomene, die den Tourismus auf der Nordinsel prägen. Die Südinsel ist dem gegenüber nicht vulkanisch geprägt.
Die Craters of the Moon haben mit dem Mond nichts zu tun, es handelt sich lediglich um ein Feld thermischer Öffnungen, aus denen heiße Wasserdampf austritt, der andernorts zur Energiegewinnung dient. Hier dient er zur Geldgewinnung durch Tourismus. Wir waren auch dort.

Eine ca. 2-stündige Wanderung führt uns durch eine kahle Steppenlandschaft, aus der überall Rauchwolken aufsteigen, zum Teil sehr massiv. Es gibt einige Krater, aus denen es qualmt, aber in einigen brodelt auch etwas – ein Schlamm-Wasser Gemisch. Der Park ist wegen des schlechten Wetters nicht sehr besucht, deswegen können wir sehr gemütlich durch schlendern und uns das Natur Schauspiel ansehen. Wir stellen uns vor, was los wäre, wenn einer dieser Vulkane plötzlich ausbricht und wir auch flüssige Lava sehen könnten. Aber das wollen wir uns nicht weiter ausmahlen. Statt dessen fahren wir heim, denn wir wollen heute Hühnchen grillen – auf dem Vulkan wäre das auch gegangen, wird aber von der Park Aufsicht nicht gerne gesehen.


Craters of the Moon

Der Mann im Mond, der hat es schwer,
denn man verschont ihn heut‘ nicht mehr.
Er schaut uns bang‘ von oben zu
und fragt: Wie lang‘ hab‘ ich noch Ruh?

Gus Backus, 1961

Nur wenige Tage später wurden wir noch einmal mit der Geothermie der Region bekannt, und zwar auf eine sehr beeindruckende Art. Wir verlassen unsere Bleibe am Lake Taupo bei strömendem Regen und fahren nach Te Puia, ein geothermisches Feld bei Rotorua. Dort finden wir den Pōhutu , welcher der größte aktive Geysir der südliche Hemisphäre ist. Er eruptiert jede Stunde ein bis zweimal, manchmal bis auf 30 m hoch. Te Puia wird derzeit zu einem großen touristischen Zentrum entwickelt, hat aber schon jetzt zahlreiche Besucher, trotz strömendem Regen.

Te Puia

Dieses geothermische Feld wird von den Maori Te Whakarewarewa genannt. Es besteht aus vielen Geysiren, die heißes Wasser an die Oberfläche schießen, aus Schlammlöchern, in denen aufsteigendes Gas den Schlamm blubbern läßt und aus Erdöfen, in denen die Maorie ein Schwein garen. Wege führen an die größten Geysire und wir Touristen stehen staunend davor. Der Pōhutu hatte noch vor 15 Jahren eine Eruption, die 250 Tage andauerte. Die Sache ist also noch hochgradig aktiv. Wer mehr wissen will, schaut hier nach.

Wir fahren in den Tongariro National Park, südlich von unserem Standort am See Taupo. Im Tongariro ist der Mount Ngauruhoe, der im Film die Gefährten für das Zentrum des Landes Mordor – das Land des Bösen – steht. Hier wurden die wesentlichen Szenen gedreht, in denen Frodo mit Sam zum Mount Ruapehu steigt, um dort den Ring los zu werden, verfolgt von Gollum. Der Mount Ngauruhoe war für die Dreharbeiten nicht geeignet, daher wurden die Szenen am Mount Ruapehu gedreht, manche Kabel liegen dort noch herum. Um diese Drehorte zu sehen, kann man mit der Seilbahn fast bis zur Spitze hoch fahren und den letzten Rest über Felsen und Geröll hochsteigen. Das haben wir gemacht und bei dieser Gelegenheit ein wunderschöne Bergtour erlebt.

Bevor wir uns im Tongariro National Park, wo die letzten Szenen aus den „Herrn der Ringe“ gedreht wurden, für drei Tage einquartieren, machen wir in einem japanischen Onsen Motel in Rotorua am Lake Rotorua Pause.Rotorua ist berühmt für die Vielzahl der warmen Quellen im Stadtgebiet und in der näheren Umgebung, ein Ergebnis der vulkanischen Historie der Region. Die Quellen verströmen einen intensiven Schwefel Geruch, der in der gesamten Stadt zu riechen ist. Wenn Du Dich mit dem Auto Rotorua näherst, fällt als erstes dieser Geruch nach faulen Eiern auf, der Geruch nach Schwefel. Das muß man mögen.

In Japan hatten wir es ja nicht geschafft, in einem Onsen zu baden. Sorry, aber was ist ein Onsen? Na, da macht Euch mal kundig unter Wikipedia, dann wisst Ihr Bescheid. Hier die Gegend in Rotorua ist perfekt dafür, denn hier tritt aller Orten das heisse Wasser, angereichert mit Schwefel, an die Oberfläche. Die ganze Stadt riecht nach Schwefel, d.h. nach faulen Eiern. Wir lasen in einer Werbung von einem Motel, das japanisch geführt ist und einen Onsen anbietet, da wollen wir hin! Unser Motel hat zwar sowohl einen Außen- wie auch einen Innenpool mit dem schwefelhaltigen Wasser aus 1400 m Tiefe und mit 42° Temperatur, aber der Außenpool wird gerade gereinigt und der Innerpool ist nur 3x3 m groß. Wir gehen in den Innenpool und werden morgen in den Außenpool eintauchen.

Es regnet noch immer Bindfäden. Das Motel ist voller Japaner, nur Männer, wir sind die einzigen Nicht-Japaner und wollen auch noch gemeinsam (igitt!) baden. Das Problem ist nämlich: in den Onsen gehen wir ausschließlich nackich, Bekleidung ist nicht erlaubt. Um trotzdem die guten Sitten zu wahren, gehen Männlein und Weiblein im einhalb Stunden Rhythmus abwechselnd getrennt in das Badewasser. Ausnahme: an 11 p.m. kann man sich mit seiner Partnerin/Partner eine halbe Stunde gemeinsam reservieren lassen. Wir gehen trotzdem, denn nur 15 Minuten in dem sehr sehr sehr heißen Wasser tun dem Body sehr, sehr gut, behauptet der Japaner. Ferner gibt es in Rotorua ein gutes und authentisches japanisches Restaurant, in welchem wir unsere Fertigkeiten im Umgang mit Essstäbchen mal wieder unter Beweis stellen können.

In der Umgebung von Rotorua gibt es aber noch mehr zu sehen. Wir sahen das verlorene Dorf Te Wairoa (Buried Village of Te Wairoa). Das Dorf wurde am 10. Juni 1886 durch einen massiven Ausbruch des Vulkans Mount Tarawera zerstört. Mindestens 100 Menschen starben, viele davon in näher zum Vulkan liegenden anderen Dörfern. Der Vulkan spuckte vor allem Kalkschlamm, keine Lava aus, unter dem viele Häuser und auch Menschen begraben wurden. Ferner wurden die weissen und rosefarbenen Kalkterassen der heissen Quellen zerstört, wegen denen viele Touristen diesen Ort aufgesucht hatten. Seit 1931 werden die verbliebenen Rest archäologisch gesichert und untersucht, ein Museum versucht uns Touristen die Zeit damals und die Katastrophe näher zu bringen. Trotz der spärlichen Reste ist dies auch gut gelungen. Als Nebeneffekt haben wir noch einen erholsamen Spaziergang an einem kleinen Bach mit tollen Wasserfällen unternommen, wo ich mal wieder das Fotografieren von fließendem Wasser üben konnte. Tip: 1/30-stel Sekunde reichen aus, wenn das Wasser schnell fließt.

Wasserfall Te Wairoa

Das Waimangu Volcanic Valley wurde durch den Ausbruch des Tarawera erst geschaffen. Der Druck, der zum Ausbruch des Tarawera führte, pflanzte sich in nord-östlicher Richtung fort und schuf ca. 20 weitere Krater und das Waimangu Tal, das wir durchwandern.  Der vormalige schon vorhandene Krater See wird durch den Ausbruch auf das 20-fache vergrößert und überflutet die weltberühmten farbigen Sinter Terassen. Er verändert auch die Landschaft und vernichtet Flora und Fauna. Heute, nach 130 Jahren hat sich die Natur soweit erholt, dass niedere Pflanzen und kleine Bäume wachsen. Große Bäume sind erst in 100 Jahren zu erwarten.

Wir sehen auf unserer Wanderung den Krater See, an dessen Ufer aus Erdlöchern Dampf austritt und dieses in einen unwirklichen Nebel hüllt. Wir gehen entlang eines Baches, der an manchen Orten Ablagerungen des Schwefels mit gelben, orangenen und roten Farben bildet, abstrakte Gemälde der Natur. An manchen dieser Plätze gedeihen Algen, die sich in dem heißen und schwefeligen Wasser vermehren und die Farben ins Grüne verändern.

Auf unserer Wanderung regnet es unaufhörlich. Uns stört das wenig, denn wir sind mit Regenschirm und Regenjacke gut ausgerüstet.

Morgen, am 19. Februar, verlassen wir Rotorua und verbringen nochmals 2 Tage im Tongariro National Park, wo wir ein wenig Berwandern wollen. Hoffentlich wird das Wetter besser, denn sonst wird es womöglich genau so beschwerlich, wie bei Frodo und Sam auf dem Weg nach Mordor.

Nach Mordor und zurück

One does not simply walk into Mordor !
Boromir, The Fellowship of the Ring

MORDOR

Sonntag, der 19.Februar 2017.
Wir fahren noch einmal in den Tongariro National Park, den wir ja schon einmal für einen kurzen Bergspaziergang besucht hatten. Diesmal bleiben wir drei Nächte bzw, zwei Tage, denn diesmal wollen wir’s wissen. Wir wollten ein wenig in den Bergen wandern, die Landschaft sehen, in der Frodo im dritten Teil des Romans „Der Herr der Ringe“ den Ring entsorgt. Dieser Teil des Tongariro National Park ist vulkanisch geprägt und auch heute noch aktiv. Der  letzte Ausbruch des Mount Tarawera liegt nur 40 Jahre zurück, aber die vulkanischen Aktivitäten, die zum Entstehen dieser Landschaft geführt haben, sind nur 130 Jahre her.
Wir haben uns ein Zimmer in dem Tongariro Family Holiday Park gemietet, das am Eingang des National Parks liegt. Wir waren etwas skeptisch, ob das das Richtige für uns ist, denn im Trip Advisor lasen wir sowohl Positives aber auch viel Negatives. Nun sind manche Leute auch etwas penibel – wir ließen es dabei und fuhren hin. Der Holiday Park erwies sich als eine Ansammlung von barackenartigen Bauten, in denen jeweils das Zimmer mit Dusche und Örtchen auf etwa 16 qm untergebracht sind (und das ist schon die Luxussuite). Zum Kochen gibt es eine Gemeinschaftsküche mit allem, was man braucht an Kochhardware, denn weit und breit gibt es kein Restaurant. Wir hatten eingekauft für drei Tage, so dass wir japanisch orientierte Malzeiten hin bekamen. Das Publikum bestand eher aus jugendlichen Backpackern; bei denen gab es immer Nudeln mit Tomatensauce. Es war aber auch eine japanische Großfamilie da, die hatten 2 Kartons mit Wein, den sie sich zum Trinken immer in Bierdosen abfüllten. Wir riefen freundlich „Kampei“ (Prost) und „Ittatakimass“ (Guten Appetit) und waren bald bekannt mit Ihnen.
Franka hatte etwas von einem Tongariro Alpin Crossing gelesen. Es sollten 16 km sein, also nur wenig mehr als eine 18 Loch Golftour. Im Holiday Park wurden wir dann gleich an der Rezeption überfallen, ob wir denn am nächsten Morgen um 6:45 Uhr mit dem Bus zum Crossing fahren wollen. Die Mädels an der Rezeption waren Deutsche (travel and work) und meinten auf unsere Bedenken wegen Ausrüstung und Kondition „Ach, da sind schon Leute in Flip-Flops rüber gelaufen“. Nun gut, wir haben uns auf das Abenteuer eingelassen. Vor Allem auch deswegen, weil die Route am Mt. Ngauruhoe vorbeiführt (mit Option: Hochkraxeln), wo das doch der Schicksalsberg ist und der Ring von Frodo reingeschmissen werden soll. Also authentischer geht es nicht.
Der Bus frühmorgens war schon reichlich voll und wurde noch voller. Am Ausgangspunkt unserer Wanderung standen noch mehr Leute, denn es war noch eine komplette Klasse von Halbwüchsigen aus Auckland mit drei Lehrern und weiteren Sicherheitsbegleitern am Start, ferner ein Geologie Professor aus USA/Georgia mit seinem Kurs „Vulkanische Geologie des Tongariro Gebirges unter Berücksichtigung des modernen Tourismus“, auch etwa 40 Leute. Es war wie Samstag Nachmittag in Köln auf der Schildergass’. Hier erfuhren wir dann auch von unserem Busfahrer, durch den uns überreichten Flyer der Wegstrecke, dass die Strecke nicht 16 sondern 19,4 km lang ist und um 4:30 pm am Zielort der letzte Bus fährt. Nun gut, das schaffen wir locker und trabten los.

Die ersten 2-3 km ging man noch im großen Rudeln, in denen englisch, deutsch, französisch, tschechisch, japanisch und sonst wie gesprochen wurde. Es ging zügig bergauf, es gab auch schon die ersten Holztreppen, um Steigungen zu überwinden. Wir gingen langsam, schließlich sind wir ja nicht die Jüngsten, und wurden von den sportlichen Youngstern überholt. Nach den ersten 5 km gab es eine kurze Verschnaufpause und dort trafen wir sie dann wieder.
Danach hatte sich der Pulk schon sehr auseinander gezogen und man hatte nicht mehr das Gefühl von Wandertag. Die Strecke wurde auch zunehmend strapaziöser, denn es mußten viele weitere Treppen überwunden werden oder steile Aufstiege über Felsen. Entschädigt für diese Mühen wurden wir durch herrliche Ausblicke in die Landschaft oder mächtige Felsmassive am Weg. Der Boden links und rechts war mit Lavabrocken übersät, zwischen denen sich aber schon Grasbüschel gebildet hatten. Edelweiß und ähnliche Blumen sowie der Bergkrokos waren zu sehen.
Nach ca. 3 Stunden erreichten wir den 7 km Punkt, der deswegen hervorzuheben ist, weil dieser als letzter angez
eigt wurde, wo man noch umkehren konnte. Wir haben das nicht getan.

Weiter ging’s hinein in einen Krater von ca. 5 km Durchmesser, umsäumt von Vulkankegeln, unter diesen der Mt. Ngauruhoe. Hier hätte man einen kleinen Umweg hinauf zum Kraterrand machen können (Zeitaufwand 1,5h). Wir haben darauf verzichtet, denn wir waren schon so’n bischen müde. Aber der Anblick war gigantisch und wir versicherten uns gegenseitig, dass sich die Wanderung schon alleine deswegen gelohnt habe.

 

 

 

Der Berg ruft

Uns stand die Szene aus „Herr der Ringe“ vor Augen, in der Frodo und Sam, verfolgt von Gollum, sich die letzte Strecke zum Kraterrand kämpfen, ähnlich kaputt, wie wir es auch waren, und sich zwischen den Lava Brocken vorwärts schleppen (nur das am Ende kein letzter Bus auf sie warten würde). Wir haben uns aber auch vorgestellt was für ein Aufwand es gewesen sein muß, das ganze Filmteam mit der Ausrüstung hier heraus zu bringen.
Aber es sollten noch mehr Krater kommen. Nachdem wir nämlich auf dem Rand und die Spitze eines weiteren herumgewandert waren, erreichten wir die Emerald Lakes, drei Seen mit türkis blauem Wasser, die natürlich Kraterseen sind. Daher ist das Wasser auch warm, denn es wird noch immer von unten befeuert. Wir machten Pause, denn hier gab es viel zu sehen und zu fotografieren. Vor Allem ein noch aktiver roter Krater beeindruckte uns sehr mit seinen Formen, wie in die Landschaft gemeißelt. Es roch auch deutlich nach Schwefel – Devils Kitchen.

Red Crater

Schließlich nach dem Blue Lake, einem weiteren vulkanischen See, weit unten, kam der lange Abstieg. Hier hätten wir uns einen großen Plastik Ballon gewünscht, in den man sich reinhängt und runter rollen läßt. Den gab es leider nicht, und so mußten wir Flachland Tiroler über unzählige Treppen und Abstiege weiter ins Tal. Es war schon spät geworden, etwa 3:00 Uhr und wir dachten zu Anfang, na, bis halb 5 ist das zu schaffen. Nicht gerechnet haben wir mit unserer untrainierten Waden- und Oberschenkelmuskulatur, die durch den Abstieg massiv gefordert wurde. Nach jeder Kurve hofften wir, den Busparkplatz zu sehen, aber nein, es waren nur weitere Treppen und weitere Abstiege zu sehen. Mit der Zeit stellte sich ein gewisser Fatalismus ein, denn es war auch schon nach 4 und noch immer kein Busparkplatz zu sehen. Dann ein Schild: noch 2 km! Na, das ist doch trotz Ermüdung leicht zu schaffen. Noch heute würde ich jede Wette eingehen, dass die 2 ein Druckfehler war und eigentlich ein 5 hätte stehen müssen. Schließlich & endlich waren wir am Parkplatz angekommen. Zeit 4.41pm. Der letzte Bus war weg!

Krater See

Mist, was tun? Im Flyer stand: die Agentur informieren, einen anderen netten Wanderer bitten, einen mitzunehmen oder ein Taxis zu rufen. Wozu hatten wir dann am Anfang unserer Tour unsere Telefonnummer angeben müssen? Hätte da nicht mal jemand nachfragen können, wo wir sind? Aber eine charmante Taxifahrerin, die zwischen den beiden Parkplätzen hin und her pendelte,  war so nett, uns mit zu nehmen und an unserem Park abzusetzen. Sie konnte nicht verstehen, wie man uns da hat hängen lassen.

Alpin Flieger

Der nächst Tag beginnt mühsam. Die Waden und Oberschenkel schmerzen bei jedem Schritt. Treppensteigen wird zur Qual. Mir wurde mal erzählt, dass man bei Muskelkater „einfach“ das wiederholt, das zu demselben geführt hat. Wir wären gerne noch einmal in diese vulkanische Bergwelt eingetaucht, aber  gehen? Na das ging garnicht. Aber da gibt es doch Mountain Air, die Rundflüge in einer kleinen Chessna anbieten. Telefoniert, verabredet und Mittwoch um halb 9 stehen wir vor dem Flieger und schon geht es los. Der Wetterbericht meldet durchziehende Wolken, aber die Sicht ist überwiegend gut.
Im Flieger sitzen zwei Piloten und wir beide. Die Chessna gewinnt schnell Höhe und wir steuern auf das Tongagiro Vulkan Massiv zu. Einer der Piloten gibt Erläuterungen, was links und rechts zu sehen ist, Das Massiv ist relativ jung und einige der Krater sind noch aktiv, erst am 6. August 2012 brach der Te Māri Crater erneut aus.
Wir sehen die Krater Seen, die wir zum Teil schon bei unserer Wanderung gesehen hatten, diesmal aus der Vogel Perspektive. Der Mount Ruapehu ist mit 2797 m der höchste Vulkan Neuseelands und der höchste Punkt der Nordinsel. Sein Kratersee schimmert türkis, aber man sieht auch gelbliche Schwefel Ablagerungen, er ist noch aktiv.

Wir fliegen um den Mount Ngauruhoe, der in der Verfilmung des Romans von Tolkin den Schicksalsberg, Mount Doom, darstellt. Hier sollte Frodo den Ring hineinwerfen, was ihm nach vielen Mühen – die wir nach unserer Wanderung nun gut nachfühlen können – auch gelang. Bei dieser Aktion ging leider auch Smergold bzw. Gollum verlustig. Wir wollten sicher gehen, dass das mit dem Ring auch geklappt hat und werfen unseren Ring noch hinter her.

 

Man könnte Seiten voller Poesie füllen, um mit Worten die Eindrücke zu beschreiben, die uns dieser Flug vermittelt hat. Das lassen wir aber bleiben. Statt dessen habe ich mal ein kleines Fotoalbum vorbereitet, welches vielleicht einen Eindruck vermittelt.
Nach einer guten halben Stunde hatten wir wieder festen Boden unter den Füssen und reisten ab aus dem Tongariro Natural Park in Richtung Wellington.

Die Bilder unseres Abenteuers habe ich in einem kleinen Fotoalbum zusammengefasst. Wer Berge, Felsen und Seen nicht langweilig findet, kann es sich hier ansehen:

Whanganui Tal

Wir fahren weiter, den Whanganui River entlang, mit dem Ziel Wellington. Unterwegs werden wir eine Nacht in Levin übernachten. Der Whanganui River ist etwa 290 km lang und war eine wesentliche Kommunikationsroute der Maori und später auch der Europäischen Siedler. Er führt braune Sedimente mit sich, was ihm eine etwas dreckige Farbe verleit. Die Strasse links des Flusses ist eng, manchmal nur eine Fahrbahn und linksseitig gehen Kalkfelsen in die Höhe.

Wir stellen fest, dass die Kalkwände versteinerte Muscheln enthalten, zu Teil in ganzen Klumpen eingeschlossen. Wie kommen die dort hin? Sind wir im Urstromtal des Whanganui? Füllte der  Whanganui das ganze Tal aus? Wir wissen es nicht und selbst Wikipedia schweigt sich darüber aus.

Nach mehreren Stunden für eine Strecke von 100 km erreichen wir die Stadt Whanganui.

Unser Weg führt uns weiter nach Wellington. Wir halten wir in Otaki. Dort, im Gorge von Otaki , bzw. am Otaki River wurden auch Szenen aus dem Film Herr der Ringe gedreht: Der Abschied des Zauberers Gandalf von den Gefährten und Gollum, der in diesem Fluss nach Fischen jagt, die er roh verspeist (Sashimi !). Wir fahren mit unserem alten Nissan eine endlose Strasse, die bald vom asphaltierten zu einer Schotterstrasse mutiert, die immer tiefer in das Tal des Otaki Rivers führt. Dann sind wir am Ende und dort ist wirklich ein kleiner Wald mit mächtigen Bäumen. Durch den Wald führt ein Pfad, im Wald veranstalten die Grillen ihr Konzert, es herrscht eine mystische Stimmung, die uns gefangen nimmt. Den Drehort für die fraglichen Szenen finden wir nicht, ist auch egal, denn das Dämmerlicht läßt uns die geheimnisvolle Ruhe des Waldes spüren. Hat da nicht etwa ein Zwerg aus dem Gebüsch gelugt? Ach nein, es war nur ein Kiwi.

Es geht weiter nach Wellington und wir erreichen unsere Airbnb Bleibe bei Cushla und Richard. Wellington liegt zwar an der See, aber die Bebauung zieht sich hoch in die Berge und unsere Unterkunft liegt auf dem höchsten Punkt. Wir schauen weit über den Hafen und Down Town Wellington hinweg – eine tolle Aussicht. Das Haus steht uns komplett zur Verfügung. Es ist etwa 50-60 qm groß, ist sehr edel eingerichtet mit Parkett und – mein Traum – Dusche mit Holzfussboden! Richard ist Architekt und das merkt man auch. Leider gibt es keinen Herd, so dass unsere Koch Künste auf die Verwendung frischer und vorgegarter Produkte beschränkt bleibt. Ganz klar, dass das auf japanische Küche hinaus läuft.Mal reinschauen?

Die Busfahrer in Wellington sind höfliche Leute. Zu jedem Fahrgast, wirklich zu jedem, sagen sie „Thank You“ und dieser antwortet gleichfalls höflich „You’re welcome“. Aber die Fahrgäste sind gleichfalls höflich. Wenn sie aussteigen sagen sie zum Busfahrer „Thank You“. Und dieser antwortet dann jedesmal „You’re welcome“. Solche Worte habe ich noch nie aus dem Mund eines Busfahrers vernommen.

Wellington ist nicht sehr groß, obwohl es die Hauptstadt von Neuseeland ist. Aber es ist eine freundliche und intelligente Stadt. Der Hafenbereich ist mit dem Te Papa Museum, der City Galery, den Pubs und der städtebaulichen Gestaltung eine Meile, in der man sich gerne aufhält und sich nur schwer löst. Wir wanderten durch die Straßen, gingen in die zwei Museen, tranken das vor Ort gebraute Bier und fuhren Bus, natürlich mit der aufladbaren Snapper Card, die es unter verschiedenen Namen überall gibt, nur nicht bei uns zu Hause. Das Wetter hätte nach den Regentagen im Tongariro National Park nicht besser sein können: wolkenloser Himmel.Die City Galerie zeigt eine Ausstellung von Cindy Sherman, eine US Fotografin, die in der Modebranche groß geworden ist, die man aber nicht kennen muss. Wir sind durch geschlendert, eine richtige Begeisterung wollte sich nicht einstellen.

Interessanter war das Te Papa Museum. Der riesige Bau zeigte verschiedene Ausstellungen, über Vulkanismus, Maorie Kultur, Meerestiere und Vogelwelt. Bemerkenswert war auch die Ausstellung über die Beteiligung Neuseelands am 1.Weltkrieg. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, dass Soldaten aus diesem fernen Land am europäischen Irrsinn beteiligt waren. Aber die Queen hatte gerufen und NZ stellte eine ansehnliche Armee zur Verfügung. Entsprechende Verluste waren die Folge. Die Ausstellung empfand ich etwas ambivalent. Bedauern die Neuseeländer ihre Beteiligung oder möchten sie Helden feiern? Die riesigen Skulpturen waren jedenfalls beeindruckend.

 

Te Matatini 2017

In Hawkes Bay findet dieses Jahr, vom 23.-26.Februar das Te Matatini statt, der NZ-weite Wettbewerb der Maoris im Haka und in traditionellen Tänzen und Gesängen. Wir wären gerne dabei gewesen, aber die 350 km waren uns dann doch zu weit. Aber es gibt ja Maori TV! Hier ein paar Bilder (Übrigens Kia Ora heisst Guten Tag)

Wellington wird von den Wellingtonians „Windy Wellington“ geannt. Heute (26.2.) macht es diesem Namen alle Ehre. Wir lassen uns aber nicht abhalten, denn der Mt.Victoria liegt am Rand der Stadt und dort wurde der erste Teil der Wanderschaft von Frodo und der Gemeinschaft des Ringes gedreht. Die Hobbits durchqueren einen dunklen Wald und werden hier von einem der schwarzen Reiter verfolgt. Sie können sich noch gerade unter einem Baum am Wegesrand verstecken und kommen so unbehelligt davon. Dieses Versteck wollten wir finden.

Ein Versteck vor dem schwarzen Reiter

Frodo hesitated for a second…Just in time he threw himself down…behind a tree…The sound of hoofs drew nearer.

Dieser Wald gefiel uns besonders, weil er aus uralten Bäumen, meistens Eukalyptus, bestand, mit knorrigen Ästen und einer reliefartigen Rinde, die sich bei manchen abschälte.Da wir hoch über Wellington wanderten, konnten wir die Aussicht auf die Stadt, Down Town und das West Pac Stadion geniessen.

Doch wir wollten noch weiter zu dem Hutt Fluß, der in dem Film als Fluss Aduin auftritt. Dort finden verschiedene Szenen statt, die jetzt hier nicht einzeln aufgezählt werden sollen. Er führt zur Zeit nicht sehr viel Wasser und sein Bett besteht aus großen Kieseln. Man kann sich vorstellen, dass zur Regenzeit oder bei Schneeschmelze hier ein breiter, reißender Fluss besteht. Wir fanden hier keine Schauplätze des Films, denn seit den Dreharbeiten ist natürlich alles zugewachsen. Am Ufer grasten Pferde, alles sehr idyllisch. Aber im Flußbett fand Franka einen schönen Wanderstock für zukünftige Unternehmen.

Außerdem trafen wir einen alten Bekannten…

Abschied von der Nord Insel

Nach 22 Tagen nehmen wir Abschied von der Nord Insel Neuseeland. Da unsere Fähre erst um 2 pm geht, wandern wir noch ein wenig in Wellington herum. Wir sehen das Parlamentsgebäude oder besser: die Parlamentsgebäude. Das erst Gebäude wurde 1876 ein Opfer eines Großbrandes, das zweite im neoklassischem Stil steht noch, wurde aber zu klein. So wurde das dritte wurde 1977 bezogen und heißt auf Grund seiner originellen Form „Beehive“ („Bienenkorb“) . Es wurde von dem britischen Architekt Sir Basil Spence entworfen und offensichtlich konnte sich das Parlament nicht dagegen wehren.

Aber eigentlich wollten wir die alte St.Pauls Kathedrale sehen, Old St. Paul’s wurde von Reverend Frederick Thatcher, damals Vikar von St. Paul’s in Thorndon, entworfen und 1855 erbaut. Sie wurde vollständig aus in Neuseeland heimischen Hölzern erbaut und besitzt Glasmalereien auf den Fenstern. Oben habt Ihr einen Blick in die Kathedrale, die wir sehr eindrucksvoll fanden – das viele Holz gibt dem Raum eine weihevolle Ruhe. Zum Glück hatten die japanische Reisegruppe, der Bus vor der Türe stand, die Kirche gerade verlassen und hatte ein akustisches Vakuum hinterlassen.

Die Fähre zur Südinsel

Die See ist ruhig,

3 Stunden, dann landen wir in Picton

Adieu