Um 6:30 ist Wecken mit einem feinen Glöckchen.Im ZEN Tempel Horokuan.

Mönche liegen nicht auf der faulen Haut. Sie haben einen Tag voller Stress, der früh morgens beginnt. Unsere drei Tage waren nicht anders.
Vor dem Frühstück wird bereits meditiert im Gehen. Wir sprechen kein Wort. Wir gehen einer hinter dem Anderen, Dorothee im Priestergewand gekleidet vorneweg, zwei mal einen Rundweg am Haus. In sich gekehrt jeder, Gedanken kommen & gehen, haben keine Bedeutung, sondern nur das Gehen ist wichtig.
Danach sitzen wir im Lotussitz im Gebetsraum, Dorothee hat Kerzen entzündet und etwas Weihrauch-artiges in die Luft gegeben. Ich darf – weil über 70 – auf dem Höckerchen sitzen, da ist angenehmer. Dorothee läutet ein Glöckchen und haut zwei Klanghölzer gegeneinander. ich schrecke zusammen, den ich war in Gedanken versunken.
Dann kommt Chanting. Dorothee liest mit lauter Stimme eine Art Dankgebet an Buddha vor, auf Japanisch. Wir haben auch den Text und dürfen mit sprechen. Dazwischen Gong und zwei Klanghölzer.
Dann gibt es Frühstück: Reis mit Kaki, eingelegtes Gemüse, Tee.
Danach kommt meditatives Malen, einmal eine buddhistische Figur nachmalen, dann im Garten etwas, was uns besonders anspricht. Franka malt den ganzen herbstlichen Garten, ich male Gräser.
Pause mit Tee, Gebäck und Apfel.
Mittag: Reis mit Pilzen, blanchierter Chinakohl, Gemüsesuppe. Alles sehr delikat. Essen mit Stäbchen kein Problem!
Der Nachmittag sollte eigentlich Besuch im Onsen sein. Der fällt aber aus, weil Franka unpässlich ist. Statt dessen machen wir einen langen Spaziergang über den Rücken des Drachens. Das geht steil bergauf, der Wald ist herbstlich gefärbt, ein sehr schöner Anblick und ein schönes Gehen. Der Drache ist weiblich, der männliche liegt in Nagano.

Dorothee träumt davon, auf einem großen Grundstück in Suzaka einen eigenen, großen Tempel zu begründen und zu erbauen, den sie zu einem sozialen Zentrum der Gemeinde entwickeln kann. Die klassischen Tempel – so ihre Kritik – leisten das überhaupt nicht, obwohl die ZEN Philosophie dies eigentlich beinhaltet. Die Priester, ehemalige Mönche, sind zu faul oder phantasielos oder beides. Wie können solche Pläne finanziert werden? Spenden von wohlhabenden Familien und Zuschüsse vom Staat sollen eingesammelt werden, denn sie selber hat kein Geld. Das große Grundstück ist ihr bereits fest zugesagt.
Ihr Mann und die beiden Söhne sind involviert und es scheint ein vielfältiges Projekt mit kreativen Angeboten für das soziale Leben in Suzaka zu werden.
Was ist ZEN? Es ist nicht leicht zu erklären, da es auch viel mit Lebenserfahrung zu tun hat. Im Kern geht es darum, den täglichen Ereignissen ohne Bewertung gegenüber zu stehen, insbesondere ohne Vorweg Bewertung. Ob das, was uns täglich widerfährt gut oder schlecht ist, wissen wir nicht. Aber wir haben die Möglichkeit, es zu einem guten Ereignis werden zu lassen. Daran mußt Du arbeiten und das erfordert Bereitschaft und Reife. ZEN scheint mir keine Religion zu sein, obwohl es Buddha ist, dem die vielen Zeremonien des ZEN gewidmet sind. Verglichen mit dem Christentum ist ZEN sehr frei, hat eine starke soziale Orientierung und ist weniger bestimmend als das Christentum. Außerdem ist es viel bunter! ZEN erfordert viel Disziplin, denn die Mönche führen in den Klostern ein hartes Leben. Früh aufstehen, regelmäßige Meditationen, nicht zu spät kommen, kalt duschen und Prügel für mangelnde Disziplin. Ob das mit der ZEN Philosophie zusammenpasst? Ich weiss es nicht.

Tee Zeremonie

Die Tee Zeremonie ist etwas sehr wichtiges im traditionellen Japan. Sie wird vom Tee Meister sorgsam vorbereitet, indem ein Platz mit der richtigen Atmosphäre ausgewählt wird. Auf einem Tablett stehen die Trinkschalen, eine ästhetisch hervorragende Dose mit dem zerstossenen grünen Tee, eine Holzschaufel zum herausnehmen und portionieren des Tees, ein Bambusbesen zum Aufschäumen und die Kanne mit heißem Wasser.
Die Teilnehmer werden begrüßt und die Trinkschalen werden mit heißem Wasser auf Temperatur gebracht. Alles langsam und gemessen. Dann wird mit dem Portionierer, der aussieht wie ein kleiner Hockeyschläger in das erste Trinkgefäß der Tee gefüllt. Heißes Wasser drauf und mit dem Besen ordentlich mischen, so dass es schäumt. Überreichen des Tees an den Gast, dann kommt der zweite dran mit dem gleichen Zeremoniell.
Und schmeckt der Tee überhaupt? Ja, sehr gut. Er ist etwas dickflüssiger, als der aufgebrühte grüne Tee und daher im Geschmack intensiver. Manche machen diesen Tee sogar so dickflüssig, dass er fast wie Brei ist und noch grade getrunken werden kann.
Ein paar Tage später waren wir zu einer sehr formellen Tee Zeremonie eingeladen. Taka, der Ehemann von Dorothee hatte es organisiert und nahm auch teil. Die Herren trugen Kimonos aus feinstem Zwirn und in edlem Design. Man kniete vor dem Wassergefäß in der Mitte, der den Tee zubereitete links, der den Tee empfängt und genießt links. Anwesend war ein Tee Meister, der das Zubereiten des Tees überwachte und jeden Handgriff bis ins Detail beaufsichtigte, denn die Herren sollten die Zeremonie richtig lernen.  Und das war nicht einfach. Das Gefäß, aus dem das Wasser für den Tee geschöpft wurde, stand auf einer Feuerstelle. Aus einem anderen Wassergefäß wurde nach jedem Tee das entnommene Wasser nachgefüllt. Man verbeugte sich voreinander zur Begrüßung, beim Empfang des Tees, nach dem Genuss des Tees, am Besten immer gleich zwei mal. Die Schritte im Einzelnen hier zu beschreiben dürfte Seiten füllen.
Wir durften auch knien und den Tee in Empfang nehmen. Zum Glück mussten wir nicht selber zubereiten. Der Tee schmeckte hervorragend und wir werden auf unserer weiteren Reise nach dem Besen und dem pulverisierten Tee Ausschau halten.
Dies alles fand im Haus des teilnehmenden Herrn Watako statt, der ein Geschäft für Kimonos und alles was drum herum gehört hat. Dies sollte Folgen haben, doch davon später.

Besuch im Tempel von Taka

Taka ist der Ehemann von Dorothee. Er ist Priester in einem Tempel, den er von seinem Vater übernommen hat. So durften wir einen buddhistischen Tempel von innen besuchen. Zentrum ist natürlich die Buddha Figur, um die herum sich viel Gold und Zierrat gruppiert. Trommeln unterschiedlichster Art sind notwendig für Zeremonien, wie Begräbnis, Familienfeiern, Gedenkfeiern, die im Tempel abgehalten werden. Insgesamt sieht alles sehr ästhetisch aus, viele Figuren von Mönchen und Heiligen stehen herum, Stühle sind kaum vorhanden, weil alles im Stehen oder Sitzen auf den Tatamis stattfindet.
Die Pläne sind sehr gut und wir wünschen ihr, dass die sie realisiert werden können.

Papier schöpfen

Washi ist japanisches Papier, das in Handarbeit hergestellt wird. Wir besuchten solch einen Handwerksbetrieb, den Dorothee kennt und die Papierprodukte aus Pflanzenfasern von Maulbeerbäumen (?) herstellt. Eine junge Frau produziert gemeinsam mit einer Mitarbeiterin, für die Herstellung der Fasern müssen allerdings weitere Saisonkräfte eingestellt werden. Die Bäume werden im Herbst geerntet. In Dampf werden sie geschmeidig, so dass die Rinde abgezogen werden kann. Diese wird dann in Alkaloid gekocht, ausgewalkt, in Schnee gebleicht und gedroschen.
Wir durften auch Papier schöpfen. Das Ergebnis wird man zu Hause sehen, denn nachdem die Blätter getrocknet sind, werden sie uns nachgeschickt. Franka hat sich für ein langes Format in weiss entschieden, das sie zu Hause aquarellieren wird. Ich habe das Drachen steigen lassen auf Papier gebracht.

Unser letzter Tag im Horakuan Tempel

Donnerstag ist der letzte Tag im Tempel. Morgen geht es weiter nach Matsumoto. Wir werden unsere zwei Koffer beim Travel Service abgeben, dann sind sie am Freitag, wenn wir ankommen schon im Hotel.
Der Morgen begann wieder mit unserer Geh-Meditation, die uns zu einem Bedürfnis geworden ist. Die Aufgabe für den Tag war, aus Naturmaterialien ein Mandala zu kreieren, welches Offenheit für diesen Tag im ZEN symbolisiert.
Abends waren einige Leute eingeladen, die zu einer buddhistischen Andacht kommen wollten. Es waren normale Hausfrauen, ein amerikanischer Professor und ein junger Mann – Publikum, wie es auch bei uns zu einer privaten Feier zusammen kommen könnte. Nach der Zeremonie saßen wir dann alle am Tisch und es gab Tee, Plätzchen und Kuchen. Ich bin sicher, was wichtiger war, die Zeremonie oder der „Kaffee“-Klatsch hinterher.

Abschied

Den letzten Tag haben wir auf unseren Wunsch noch einmal mit einer Geh-Meditation begonnen. Über Nacht hatte es gefroren und die Gräser waren gereift. Wir verliessen diese ruhige, ländliche Gegend mit dem Gefühl, eine Atmosphäre von Japan und Menschen kennengelernt zu haben, die zu sehen nicht selbst verständlich ist.matsumoto-3matsumoto

Franka hatte in all den Tagen Dorothee mit Massagen, Voltaren und Ratschlägen von Verkrampfungen im Schulterbereich befreit. Die Zähne werden dann nächstes Jahr in Wachenheim bearbeitet, denn solche Profis wie Franka gibt es in Japan nicht. Wen wundert’s?
Dorothee brachte uns nach Suzaka, wo wir noch ein Museum von Hokusai , der dort bis zu seinem Tod gelebt hatte, besuchen wollten. Das hatte leider wegen Ausstellungswechsel geschlossen. Aber der zweite wichtige Tagesordnungspunkt war: Franka wollte sich einen Kimono im Geschäft von Herrn Watako kaufen, bei dem wir gestern zur Tee Zeremonie waren. Um es kurz zu machen: es wurden zwei, weil „ich kann mich nicht entscheiden“. Sehr schöne Teile mit passenden Gürteln, die es in den Touri-Geschäften so nicht gegeben hätte.