Tokyo

Nach drei Stunden Pflaster treten und teuren Geldausgaben mussten wir dann mal pausieren. Ich hatte vom Bunkyo Civic Center gehört, welches 26 Etagen hat und von der 25. aus kann man den Fujiyama sehen. Das Wetter ist klar, die Sicht ist weit, der Abend naht mit seinem Sonnenuntergang, also hin und den Fotoapparat gezückt. Dort sind wir sicherlich allen, denn das Center ist ein Bürohochhaus.

Das Haus hat oben einen regelrechten Aussichtsbalkon. Als wir aus dem Aufzug im 25.Stock steigen, musste ich erst mal schlucken: mehr als 130 japanische Fotoamateure mit Kameras, Stativen und vielen Objektven halten die gesamte Fensterfront in Richtung Fujiyama besetzt und warten auf den Sonnenuntergang. Keinen Millimeter wird gerückt und sekündlich die eintretende Dämmerung abgelichtet. Na, ja, einige Bilder konnte ich dann doch noch schießen, Tokyos Skyline im sanften Abendrot, der heilige Berg als Siluette hinter den Hochhäusern.

img_1204Wir sind dann essen gegangen in einem Restaurant, in dem die Speisekarte NUR auf Japanisch war. Aber zum Glück war sie reich bebildert, was in Japan üblich ist. Man zeigt drauf, was man will und das kriegt man dann auch, allerdings in beliebiger Reihenfolge. In anderen Restaurants sind die Speisen bereits draussen im Fenster aus Plastik abgebildet, auch da weist Du, was Dich erwartet.

Jetzt aber erst mal die Bilder vom Sonnenuntergang.

 

 

 

Der Stadtteil Ginza ist berühmt für die gigantische und grelle Reklame, die an den Hochhäusern bis oben hin leuchtet. Einige der Hochhäuser geben sich selber als Reklame Skulptur mit Ihren Farben oder mit Schriften und Figuren. Bei den Schriften geht alles durcheinander: lateinische und japanische Schrift. Letztere wird oft als schmückendes grafisches Element eingesetzt, was für uns Europäer sehr dekorativ aussieht.

Tokyo bei Nacht

Der Kaiserpalast

Bereits im  Igemitsu Museum hatte eine nette in einen geschmackvollen Kimono gekleidete Dame Franka darauf aufmerksam gemacht, dass wir von dieser Aussicht auf den Kaiserpalast und seinen Garten blicken und dass wir den unbedingt besuchen müssen. Da wir nun schon die ganze Reise lang Kaiserliche und Fürstliche Gärten besucht haben, wollten wir den Tenno nicht vor den Kopf stoßen, indem wir seinen Garten ignorieren.
In den Palast kommt man allerdings nicht hinein. Er ist von sehr ernst blickenden Beamten in Uniform bewacht und wir konnten nur von außen schauen. Das taten wir gemeinsam mit 1000-den weiteren Japanischen Familie, Schulklassen und Touristen. Am Eingang des Parks – wie es sich gehört – eine Reiterstatue. Offensichtlich gibt es weltweit eine einzige Vorlage für solche Statuen: Das Ross schaut Kampfes durstig, geht vorne hoch (Schwierig für den Bildhauer). Darauf sitzt in voller Montur wahlweise der Kaiser, Zar, Samurai oder der Verteidigungsminister. Er schaut gleichfalls Kampfeslustig auf den (imaginären) Gegner – in Japan heisst das, er schaut richtig finster. Wer den Film Kagemuscha oder die 7 Samurai gesehen hat, kennt die Mimik.
Der Park selber mit gepflegtem Golf Rasen (Betreten verboten!) und Ginko Bäumen. Sehr schön die vielen Schulausflügler, alle in dunkelblauer Uniform mit roter Kappe.

Der Sonji Tempel

Tokio hat eine große und sehr berühmte Tempelanlage, den Sonji Tempel. Eigentlich ist das ein ganzes Stadtviertel, das aus dem eigentlichen Tempel und mehreren Toren besteht, ansonsten aber eine Verkaufsbude neben der anderen. jemand im Internet hat spöttisch geschrieben : „Wie in Rüdesheim, die Drosselgass’ läßt grüßen“. Ja, so ist es, allerdings wie 20x Drosselgass’ hintereinander. Wir sind – hungrig nach Japan Experience – durch die Strassen geschlendert und haben uns dort zwei Paar Essstäbchen gekauft, mit denen wir zukünftig unsere japanischen Speisen zu uns nehmen wollen.

Das Ota Kunstmuseum für Ukijo-e

Herr Ota Seizo, ehemaliger Präsident einer großen japanischen Versicherungsgruppe, sammelte traditionelle japanische Holzdrucke (Ukiyo-e) und brachte es immerhin auf rd. 20.000 Exemplare. Die werden in Abwechslung in diesem Museum ausgestellt. Da ich mich – wie Herr Seizo auch seit Jugendtagen (habe es ansonsten leider nicht so weit gebracht) für diese Kunst interessiere, haben wir dem Museum einen Besuch abgestattet. Im Gegensatz zum Igemitsu Museum war es hier nicht so überlaufen. Man konnte sich die Bilder in aller Ruhe ansehen und die Kunst, solch feine Linien und Flächen im Holzdruck herzustellen widmen. Zum Schluss waren wir beide so angetan, dass wir 4 Reprints nach Deutschland schicken liessen. Die Originale sind für unsere Gehaltsklasse leider nicht bezahlbar, aber die Reprints sind wirklich gut.

 

 

 

Madam Saigon

Franka wollte dieses Musical gerne sehen und wir bekamen auch noch Karten, obwohl schon sehr ausverkauft. Die Kassiererin warnte uns, das alles auf Japanisch gesungen wird und keine englischen Untertexte sind. Macht nix, wir gehen rein. Wir haben es noch knapp pünktlich geschafft, denn die Bildauswahl hatte sich etwas hingezogen.
Bühne, Dekoration und Sänger: alles toll und wir haben es sehr genossen. Leider gab es auch hier kein happy end, denn Madam Saigon muss sich zum Schluss erschießen, weil der GI, der sie geschwängert hatte sie nun doch nicht heiraten will weil er ja schon verheiratet ist, aber seinen Sohn will er dann doch in das-Kinderprogramm USA holen und so kann sich jeder aussuchen, ob das ein happy end sein soll oder nicht. Als Jemand, der Ende der 60er noch im Bonner Hofgarten gegen den Vietnam Krieg demonstriert hat und Ho-Ho-Ho Tschi Min geschrieen hat, obwohl wir den ja auch nicht kannten, sieht man die Hollywood Musical Version doch mit etwas gemischten Gefühlen.
Anschließend haben wir uns noch mit Kneipenessen den Magen verdorben – das kommt davon!

Fotos habe ich keine gemacht, weil streng verboten.