Fast 7 Stunden für fast 400 km von Tallinn nach Sankt Petersburg in einem Zug, der gut ausgebucht war. Die Sitze hart, die Mitreisenden (Fast nur Russen) schlafend, so reisten wir nach Russland ein. Um Mitternacht Einfahrt im Hauptbahnhof Sankt Petersburg, um 1 Uhr liegen wir im Bett des Hotels Petro Palace.

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 Am Montag 17.Okt. haben wir eine Besichtigung des Katharinenpalast mit dem berühmten Bersteinzimmer auf dem Programm. Zusammen mit einer schweizerischen Familie aus Luzern ziehen wir durch die endlosen Zimmer und Säle des Palastes, in dem Gold, Kunst, Geshirr und Mobiliar ohne Ende und von unschätzbaren Werten verarbeitet ist. Wir werden stilvoll empfangen. 

Bevor es weiter geht, ein paar technische Hinweise. Fast alle Bilder kann man anklicken, dann werden sie groß! Probier es aus, dann hast Du mehr davon.  Dann gibt es manchmal Hinweise, wie z.B. der Folgende: Weiter lesen  Klick drauf, dann kommst Du auf eine neue Seite, wo noch mehr zum Thema steht. Also Weiter lesen!

Sommerpalais Sankt Petersburg

Der Zug fährt pünktlich um 7:00 ab und schon um 11:45 sind wir in Moskau. Das Taxi, welches uns zum Hotel Metropol bringt, bleibt erst mal im Verkehr stecken. Die Strassen sind mindestens 4-spurig, aber für die Anzahl der Autos reicht das nicht, Stau ohne Ende. Unsere Taxifahrerin wechselt unerschrocken die Spur mal links und rechts, nutzt jede Lücke, hat keine Hemmung, anderen den Weg abzuschneiden. So sind wir nach einer knappen Stunde im Hotel, Luxus ohne Ende.

Für den Abend haben wir schon Karten für das Bolschoy Theater besorgt. Oper von Puccini: Manon Lescaut. Dramma lirico (4 Akte), gesungen in Italienisch mit Kyrillischem Untertext. Nun kam endlich mein mitgenommener Anzug in Aktion! Aber auch das Moskauer Publikum zieht sich zur Oper nicht mehr gepflegt an, viele waren in Jeans, manche aber auch fein heraus gebrezelt.img_5985 Das Gebäude selber, so wie man sich Oper vorstellt. Sieben rundum gehende Balkone übereinander, so dass der Raum wie das Innere von einem Ei geformt war, allerdings mit 50 m Deckenhöhe und einem Kronleuchter von ca. 5 Tonnen. Mit Goldverzierung wurde nicht gespart!

Die Vorstellung selber – auch wenn wir nicht die Opernkenner sind – war toll. Herrliche Stimmen, ein kreatives und modernes Bühnenbild, leider musste die Dame Manon Lescaut zum Schluss sterben, ich hatte auf ein Happy End gehofft.

Für den nächsten Tag hatten wir wieder einen persönlichen Führer geordert, der – wie in allen anderen Fällen – auch diesmal wieder eine Führerin war, Tatjana war ihr Name. Unser Hotel liegt in Steinwurf Entfernung (!) vom Kreml. Also war das unser erstes Ziel. Dann ging es weiter zur Erlöserkirche (ich glaube, davon gibt es 1000-de in Russland), zwischendurch immer wieder kleine Infos zu den Gebäuden und Plätzen an der Seite. Die Temperatur unseres Rundweges lag bei 0°, es gab auch einige Flocken Schnee. Das GUM haben wir natürlich nicht ausgelassen, keiner der klangvollen westlichen Namen für Luxus und Nepp, der etwa gefehlt hätte! Gerne würde ich einmal hören, was die Oma aus Kasachstan zu diesem Glitzer sagt. Zum Schluss sind wir noch etwas Metro gefahren. Wieder die unendlich langen Rolltreppen und Stationen, wie Paläste. Aber auch hier ist dieses Verkehrsmittel sehr frequentiert, denn es kostet nicht viel. 50 Rubelchen kostet der Eintritt, danach kannst Du fahren so lange und wohin Du willst.

Heute Abend werden wir mal Moskau bei Nacht auf eigene Faust erleben. Falls morgen hier mehr Text steht, haben wir das auch überlebt.

Mehr davon?

Morgen verlassen wir Moskau. Der Abschied wird uns leicht gemacht, denn heute Abend ist Russen-Disko – bei uns unter dem Fenster. Morgen um 12:30 holt uns Herr Evgeny ab, um uns zum Bahnhof zu bringen. Dann beginnt unsere Reise mit der TranSib.

Transsibirische Eisenbahn

Pünktlich um 12:30 steht Efgenie in der Hotelhalle. Natürlich wieder mit einem Mini Auto, in welches unser umfangreiches Gepäck kaum hineinpasst, falls wir auch mitfahren wollen. Sein Job ist es, uns und unser Gepäck im Zug zu verstauen.
Aber vor dem Einsteigen ergibt sich das erste Problem: Auf Frankas Ticket ist die Pass Nummer falsch eingetragen. Nach einigem Hin&Her, der Tawarisch Zugführer musste persönlich hinzugezogen werden, durfte auch Franka einsteigen, aber Efgenie musste dafür ca. 400 Rubelchen hinblättern. Angeblich ist das Problem bis Vladivostok gelöst – ich glaub’s erst, wenn wir dort sind.
Auf den Zug Prospekten sind die Abteile breit, hell, freundlich mit einer eigenen WC/Waschgelegenheit, Pool (Nein, Quatsch). Die Wahrheit sieht anders aus. Unser Abteil ist ein 4-Personen Abteil, das aber nur von uns bewohnt wird. Aber auch in der russischen Eisenbahn herrscht Ordnung, deswegen bekommen wir Bettzeug für 4! Vielleicht bekommen wir ja morgen früh auch frühstück für 4.
Das Abteil ist im Stil der 40er Jahre eingerichtet, der Wagen selber ist noch auch Revolutionszeiten. Vorne bei der Provotnitza (=die Dame, die unseren Wagen betreut) steht ein Samowar, der bereits zur Zeit von Zar Nikolaus dem Dollborer  zuverlässig seinen Dienst verrichtete. Wir haben der Provotnitza bereits eine Schachtel guter Lind Pralinen ausgehändigt, damit sie uns wohl gesonnen ist (Sie: ach nein, needoch, jaja).
Ein Glück, dass sowohl Franka wie auch ich aus unserer Jugendzeit gewohnt sind, in solchem Environment zu überleben. Da wir schon Salami, Pfefferschinken, Mongolischen Käse, Russischen Salat, französisches Baguette gekauft hatten, gab es zum Abend in unserem Abteil ein kulinarisches Nachmahl, zu dem ein Flasche georgischen Rotweins gut harmonierte.
Nun endlich werden die vielen guten Bücher gelesen, die uns auf Papier oder elektronisch begleiten.
Franka hat unser dritte Reisegepäckstück, welches wir in Vladivostok auf jeden Fall loswerden müssen, schon zum zweiten Mal genäht, da es gerissen ist. Hat auch nur 23 € gekostet, aber darin sind alle Schokoladen Vorräte, für die verschiedenen Provotnitzas, die wir noch treffen werden und Wintersachen, die wir in Japan nicht mehr brauchen. Wir vergraben dann alles im Schnee oder schicken es nach Hause.

24. Oktober

Bei dem regelmäßigen Geratter der Räder läßt sic gut schlafen. Aber wann aufstehen? Nach Moskauer Zeit ist es 7:30 Uhr. nach Jekaterienenburger Zeit schon 2 Stunden später, halb Zehn! Wie auch immer, der Speisewagen öffnet um 9 und wir brauchen ein Frühstück. Es gibt dünne Crepes mit Marmelade für Franka oder Forellen Kaviar für mich. Franka trinkt Tee, ich Kaffee. Ab morgen trinke ich auch Tee, immer.

Noch mehr Reiseerfahrungen?

Vor dem Fenster herrscht Winter. Etwa 2 cm Schnee, es sieht kalt aus. In Yekaterinenburg herrscht 0°, gefühlt -4°. Wir fahren durch endlose Wälder, ab und zu von kleinen Dörfern und Städten unterbrochen. Der Zug hält ab&zu , dann gehen manche raus zum Rauchen, denn im Zug herrscht Rauchverbot. Auf dem Bahnsteig stehen fahrbare Verkaufsstände, in denen große Plüschbären und Süsswaren angeboten und gelegentlich auch gekauft werden. Lebensmittel gibt es auch, aber wir haben noch eigene Vorräte. Der nächste Halt ist in Perm. Dort wird die Lokomotive gewechselt.
Während der Fahrt kommen uns Güterzüge entgegen. Diese müssen  mehr als ein Kilometer lang sein, denn die Vorbeifahrt dauert mindestens eine Minute.

Schließich kommen wir um 22:00 Uhr in Jekaterinburg an.Unser Hotel in Yekaterinburg

Das Hotel Marins Park Hotel (***) hat eine riesige, blaue Leuchtschrift auf dem Dach, die auf Luxus hoffen läßt. Es liegt genau gegenüber vom Bahnhof. Allerdings mussten wir wegen einer Unterführung etliche Treppen überwinden. Da wir noch viel Gepäck haben, heuerten wir einen Träger an. Wir besprachen schon einmal die Höhe des Trinkgeldes (500 rbl) bis er mit seiner Forderung kam: 1500 rbl. Da habe ich Franka bewundert. Sie fing an, sich auf russisch mit dem Gangster herum zu streiten wie ein altes Marktweib. Leider aber ohne Erfolg, es blieb bei den 1500, was etwa 20 € entspricht.
Das Hotel zeigte sich innen als typisches Exemplar aus sozialistischer Zeit, dem man ein leichtes Make up in mittlerer Heimwerker Qualität verpasst hatte. Die Zimmer dagegen mussten ohne Make Up auskommen: Der gute, alte Kombi Wasserhahn, der zwischen Dusche und Waschbecken geschwenkt werden kann, das Patent ist aus der DDR bekannt. Zwei Einzelbetten aus dem Möbelkombinat Zeulenroda, ein altertümlicher TV 30cm, aber etliche Steckdosen. Wir haben dann unsere Elektronik aufgeladen.
Neben dem Hotel gibt es ein Japanisches Restaurant. Wir wollten uns schon mal ans Japanische gewöhnen und Alternativen gab es sowieso nicht. Die Menü Karte bebildert, man musste nur drauf zeigen. Und es hat richtig gut geschmeckt, nette Atmosphäre und ein interessanter Früchte Tee. Das hat uns mit der Situation etwas versöhnt.

Am nächsten Morgen empfing uns Olga, ein Mädel von ca. 30, die als Historikerin ihr Geld durch Stadtführungen verdiente.

Jekaterinburg steht für die Ermordung de Zarenfamilie Romanow. „Die Ermordung der Zarenfamilie durch die Bolschewiki ereignete sich in der Nacht von 16. auf 17. Juli 1918 in Jekaterinburg. Der ehemalige Zar Nikolaus II. und seine Familie wurden wie die übrigen Angehörigen des Hauses Romanow nicht zuletzt deshalb ermordet, weil die Bolschewiki den „weißenKonterrevolutionären keine potentiellen Symbolfiguren überlassen wollten. “ Lies mehr darüber!

Außerdem gilt Jekaterinburg als die Grenze zwischen Europa und Asien. Deswegen gibt es ein Denkmal auf der Fernstrasse nach Moskau, vor dem sich Touristen gerne fotografieren lassen. Ästhetisch ist das Teil eher uninteressant. Zurück zu den Romanows. Die Bedingungen der Ermordung des Zars und seiner Familie und Dienerschaft durch die Bolschewisten sind eher unappetitlich. Der russische Oberste Gerichtshof erklärte im Jahr 2008 Zar Nikolaus II. zu einem Opfer der kommunistischen Ära. 2000 wurden Nikolaus und seine Familie aufgrund ihres Märtyrertodes von der Russisch-Orthodoxen Kirche heiliggesprochen

Wir besuchten die „Blutkirche“, die nach der Rehabilitierung und auf Grund der Heiligsprechung erbaut wurde sowie ein Kloster, das zu Ehren der Romanows in wäldlicher Abgeschiedenheit errichtet wurde. Lange Zeit war unklar, wo die sterblichen Überreste der Zarenfamilie verblieben sind. Wir besuchten ein Waldstück, in welchem wohl nachweislich die Leichen verscharrt waren und das heute durch einen Gedenkstein markiert ist.

 

Zwischenstop in Novosibirsk

In Novosibirsk hält unser Zug 50 Min. Das nutzen wir für einen kurzen Einkauf von Wurst, Brot und ein russischen kleinen Gugelhupf.
In Novosibirsk schneit es leicht, aber es liegen schon 50 cm Schnee. Wir halten uns aber nicht lange draussen auf, denn wir befürchten, dass der Zug eventuell ohne uns weiterfährt. Was er aber nicht tut und wir sind wieder im warmen Abteil.
Wir haben ja ziemlich viel Elektronik dabei: 1 Laptop, 2 Handys, 2 iPads. Unser Zug hat eine Steckdose mit 110 oder 220 V pro Wagen, 2 zusätzliche Steckdosen mit 50 V sind für unsere Geräte unbrauchbar. Die Lösung, die wir jedem Transit Fahrer empfehlen würden heißt Power Bank! Und zwar keine kleine. Wir haben sie jetzt über Nacht an besagte Steckdose gehängt, damit wir morgen aus der aufgeladenen Power Bank unsere Teile aufladen können. Das klappt leider nicht für den Laptop. Der kann erst im Hotel in Irkutsk aufgeladen werden, weswegen ich ohne nur sparsam benutze.

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Weiter nach Sibirien

Weiter nach Irkutsk

Auf dem Weg nach Irkutsk werden wir zwei Nächte im Zug schlafen. Dann kommen wir ca. 8:00 Morgens dort an. Es wird Freitag sein und die Temperatur beträgt -10°, wird sich aber im Verlauf des Tages auf -7° verbessern. Franka uns ich haben immer wieder aus dem Zugfenster Fotos gemacht, wenn ein typisch sibirisches Dorf auftauchte oder auch ein besonders dekorativer Birkenwald, von denen es hier reichlich gibt. Hier in Sibirien ist wahrscheinlich völlig gleichgültig, wer in Moskau am Ruder sitzt. Das Leben funktioniert nach Regeln, die mindestens seit dem 19. Jahrhundert gültig sind, wahrscheinlich schon länger. Auch das Internet verschwindet nach und nach, so das diese Nachrichten erst in Irkutsk abgesetzt werden können. Was macht man den ganzen Tag, wenn der Zug mit max. 85 km/h durch die Taiga braust und draußen alles schneeverweht ist oder auf Bahnhöfen, auf denen Du nicht aussteigen möchtest? An erster Stelle steht : Lesen, an zweiter : Schlafen, an dritter: Diskutieren. Hartmut:“Wenn man allen, die sich die DDR zurück wünschen, drei Wochen Russland spendieren würde, würden sie sicher ihre Meinung ändern.“ Franka:“Ja, aber ohne Moskau und Sankt Petersburg!“ H.: „Aber auch ohne Sibirien, das ist zu hart“ F:“ OK“ Wäre die TransSib eine Hochgeschwindigkeitsstrecke mit 300 km/h Maximum, dann könnten man von Moskau nach Vladivostok in 30 Stunden = 1 1/2Tage fahren. Würde Herr P. die Sicherung seiner Grenzen per Werkvertrag an die Amis übertragen, die sich ja gerne weltweit engagieren, dann könnte er mit den eingesparten Rüstungskosten locker den Ausbau  der TransSib finanzieren. Müßte man mal durchrechnen, aber auf mich hört ja  sowieso keiner… In der TransSib gibt es keinen Rotwein und keinen Wodka. Bier ist das höchste der Gefühle. Daher haben wir uns noch in Moskau eine Flasche Grusinischen Rotweins mitgenommen, die hat uns jetzt das Abendessen veredelt. Zusammen mit russischer Dosenwurst und russischem Senf das Sibirische Gourmet Lunch. Allerdings sind unsere Vorräte jetzt nahezu erschöpft, gut dass wir morgen früh um 8:23 in Irkutsk ankommen und dann erst mal im Hotel sind. Im Hotel in Irkutsk erst mal: Duschen, duschen, duschen.
Auf dem Weg fahren wir immer weiter in den Winter. Aus dem Fenster schaust Du auf verschneite Landschaften, kleine Dörfer, Birkenwälder, immer wieder. In der Nacht hält der Zug in Städten wie Nowosibirsk, wo wir schnell noch etwas Brot und Wurst einkaufen. Am dritten Tag, morgens um 8:00 überqueren wir den Fluß Angara und erreichen Irkutsk. Am Bahnhof werden wir von Ludmilla abgeholt, die uns erst mal ins Hotel bringt zum Ausruhen, Duschen, Frühstücken. Um 13:00 holt sie uns wieder ab zu einer Stadtrundfahrt, doch davon später.

Irkutsk und Baikal

Irkutsk ist relativ schnell besichtigt.

Was uns vielmehr interessiert hat, war der 2-Tage Ausflug zum Baikal See.

Der Baikal See

Das “Heilige Meer” – so nennen die Burjaten ihren Baikal-See. Das weltweit größte Süßwasserreservoir ist Bestandteil des UNESCO-Weltnaturerbes und ein Sinnbild für Russlands faszinierende Natur und schier endlose Weite . Seine Ufer sind zur Hälfte fast menschenleeres und wegeloses Naturschutzgebiet. Ursprünglich wurde das Gebiet am Baikalsee hauptsächlich von den Burjaten besiedelt, die zu den mongolischen Völkern gezählt werden. Viele Kultstätten rund um den Baikalsee zeugen von der uralten Schamanen-Kultur, die sich seit der Zarenzeit mit den Einflüssen von Buddhismus und Christentum vermischt hat.

Mit 1.637 Meter ist der Baikal der tiefste See der Erde . 650 Kilometer weit streckt sich der See in einer tektonischen Spalte in Nord-Süd-Richtung, in der Breite sind es im Mittel 50 Kilometer. Bis heute gibt es starke seismische Aktivitäten. Kleinere Erdbeben werden häufig gemessen.

Nachdem wir so viel über den Baikal See erfahren haben, sind wir doch noch in einen Andecken Laden eingekehrt. Franka musste alle Hüte in dem Laden aufsetzen. Schau’s Dir an!

 

Was uns Ludmilla so erzählt hat:

 

Das Märchen vom Baikal See

Der alte Vater Baikal hatte 334 Söhne, aber nur eine Tochter. Die Tochter hieß Angara. Die Tochter wollte der Vater immer geliebt und wohl behütet bei sich behalten.
Die Tochter wuchs heran und hörte eines Tages von einem Jüngling namens Jenisej. Sie wollte diesen Jüngling unbedingt kennen lernen. So verließ sie eines Nachts den väterlichen Schoß, um zu Jenisej zu  gelangen.Sie verliebten sich ineinander und heirateten. Seit dieser Zeit fließen sie gemeinsam zum Polarmeer.ulan-ude
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann fliessen sie noch heute. Jedoch in einem modernen Märchen geht die Geschichte noch weiter. Angara als moderne Frau ist natürlich berufstätig geworden. Sie erzeugt durch vier Wasserkraftwerke so viel Strom, dass die Einwohner Sibiriens sie mit 1 Kopeke je KWSt entlohnen. In Ikutsk steht eine Plastik, die diese Liebesgeschichte illustriert.

 

Besuch in Listwjanka

Listwjanka ist etwa 1 Autostunde von Irkutsk entfernt und ist so etwas, wie ein Badekurort direkt am Baikal See. Im Sommer ist hier Badebetrieb, die „weisse Flotte“ fährt, aber es besteht auch die Gefahr, dass hier der Ballermann vom Baikal See entsteht. Die ersten Anzeichen sind schon sichtbar und man kann den Russen nur wünschen, dass sie frühzeitig der Entwicklung einen Riegel vorschieben.
In einem Meeres Museum erfahren wir, dass der Baikal See nach dem Kaspischen Meer der zweitgrößte Binnensee der Welt ist bzw. der größte Süßwasser See. Wie tief er wirklich ist, weiss man nicht, aber man hat bis zur Sediment Schicht 1650 m gemessen. Die Sediment Schicht bis zum Grundgestein wird auf mehrere km Dicke geschätzt. Das Wasser ist Mineral arm und kalt. Während unseres Besuches konnte man mit etwa 3-5° rechnen, deshalb hat Franka ihren roten Bikini im Koffer gelassen. Ich natürlich gleich mit einem Kopper hinein (Ja, sicher, sehr witzig, Herr Meuter). Aber auch im Sommer kommt er nicht über 20° hinaus an flachen Stellen, also nicht so das ideale Badegewässer.
Das Wasser ist ausgesprochen sauber, man kann bis zu 45 m weit sehen. Heute wird das Wasser aus 400 m Tiefe hoch gepumpt und in Plastik Flaschen zu Trinken verkauft. Da in dieser Tiefe kein Wasseraustausch mit oberen Schichten stattfindet, trinkt man ein Wasser, das ca. 100 Jahre alt ist. Über die Folgen hat sich unsere Ludmilla ausgeschwiegen.
Gefischt wird der Stör, der Omul, Lachse und Charius. Den Omul hatte ich zu Abend gegessen, schmeckt sehr gut. Auf dem Markt wurde dann noch der Charius geräuchert zu gleich essen angeboten, da war Franka nicht zu bremsen. In einer Hütte neben an konnte man sich hinsetzen, seinen Fisch verzehren, ein Bier gab’s auch zu kaufen.
Dann gibt es noch einen Fisch namens Golomjanka, auch Fettfisch genannt. Er ist nahezu durchsichtig und besteht zur Hälfte aus Fett, wird bis zu 25 cm lang und bevorzugt Wasser von 6° C. Das Merkwürdige ist, dass er Nachts (=Wasser kalt) oben schwimmt und tagsüber, weil Wasser zu warm, sich absinken lässt bis auf den Grund von 1600 m, wo es so schön kühl ist. Nachts kommt er dann wieder hoch. Jeder, der etwas vom Tauchen versteht, weiss dass kein Mensch diesen Tauchgang überleben würde. Also: ein Naturwunder!
Dann gibt es im Baikal auch Robben! Die sind relativ klein und sehen witzig aus, wie ein aufgeblasener Zylindrischer Luftballon mit einer kleinen Schnauze vorne und Flossen hinten. Das Meeres Museum hielt zwei von ihnen – Maria und Anastasia – in einem für meinen Geschmack viel zu kleinen Becken, ohne irgendwelche Anregungen für die Tiere, die deshalb auch immer nur hin & her geschwommen sind. Art gerechte Haltung? Bestimmt nicht.
Wir sind eine Nacht in einem sehr schönen Hotel geblieben. Ich glaube, wir waren die einzigen Gäste. In der Nacht sank die Temperatur auf -16° ab.

Schließlich kommen wir am Montag, den 31, Oktober in Ulan-Ude an, der letzten Station in Sibirien. Ulan-Ude (russisch Улан-Удэ; burjatisch Улаан-Үдэ, Ulaan-Ùde) ist die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Burjatien im südöstlichen Sibirien. Sie hat 404.426 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010)[1] und ist das kulturelle, politische und wirtschaftliche Zentrum der Region.

Wir werden am Bahnhof erwartet von Vera, sie ist 73 und sehr freundlich. Sie organisiert den Transport unserer Koffer und bringt uns zum Hotel. Wir haben den Eindruck, je tiefer wir nach Sibirien hinein kommen, desto besser werden die Hotels. Dieses hier heißt Das Weisse Pferd und unser Zimmer ist angenehm groß. Da es schon etwas spät ist, bleiben wir im Hotel und essen im Restaurant.

Am nächsten Tag steht der Besuch des buddistischen Klosters Iwolginski Dazan („Kloster Glück und die Fülle der Freude bringendes Rad des Lernens“) auf dem Programm. Der Dazan ist ein buddhistisches Kloster der Gelug-Tradition des tibetischen Vajrayana-Buddhismus in Burjatien, Russland. Der Dazan befindet sich knapp 30 Kilometer von der burjatischen Hauptstadt Ulan-Ude entfernt in der Nähe des Dorfes Werchnjaja Iwolga.

 

Auffällig ist, dass viele Autos mit Rechts-Lenker herumfahren. Das hat einen speziellen Grund. Die Autos sind aus Japan importiert, dort ist Links-Verkehr. Der Japaner fährt sein Auto die ersten 4 Jahre steuer frei. Danach schlägt die Steuer allerdings ziemlich heftig zu. Deswegen gibt es einen hohen Anreiz, das Auto nach 4 Jahren zu verkaufen. Zwischen Japan und Russland gibt es eine lebhafte Handelsbeziehuung was 4 Jahre alte Autos betrifft. Die Autos sind relativ billig und weden von den Russen noch viele Jahre weiter gefahren. In Ulan Ude hat jedes zweite Aute das Lenkrad auf der rechten Seite.

Unser letzter Tag in Ulan Ude galt einem Besuch in einem Dorf der Altgläubigen (старообрядцы). Wer ist das? Als Altgläubige (старообрядцы) werden diejenigen bezeichnet, die die Kirchenreform unter Nikon, Patriarch von Moskau zwischen 1652 und 1666, nicht mit vollzogen haben. Sie selbst betrachten sich als Bewahrer ursprünglicher russisch-orthodoxer Traditionen. Die Altgläubigen gehören natürlich auch zu den Orthodoxen, nur nennen sich die „offiziellen“ Orthodoxen православные – Rechtgläubige. Es erinnert an den „rechten Glauben“ im Rheinland, der Rheinländer weiss, was ich meine.

Besuch bei den Altgläubigen.

Der Protest gegen die Reform verband sich mit Vorstellungen vom Ende der Welt und der beginnenden Herrschaft des Antichrist, so dass die Distanz von der Kirche von recht grundsätzlicher Natur war. Im zaristischen Russland verfolgt, siedelten die „Altgläubigen“ in entlegenen Gebieten, wie Sibirien oder gleich ganz im Ausland an. Unweit von Ulan Ude besuchten wir das Dorf Tarbagatay, wo Vera als Fremdenführerin bekannt und – wie wir feststellen konnten – auch beliebt ist.
Auf dem Weg  dorthin kurze Rast am Aussichtspunkt auf die Landschaft des Serenga, der völlig zugefroren war. Unendliche Weiten!

Vera hat uns dort hin geführt, weil wir Touristen hier autentisch das alte Russland mit seinen Bräuchen, Trachten, Siedlungsformen und vor allem, seiner Gastfreundlichket erleben können. Nach einer Stunde Fahrt auf von Schlaglöchern geformten Pisten kamen wir in das Dorf Tarbagatai, ca. 300 Einwohner. Als erstes trafen wir den Popen und Chef des örtlichen Museums.
Im Dorf empfängt uns der Pope, der nicht nur für die Kirche sorgt, sondern auch ein kleines Museum mit Altags Gegenständen aus früheren Tagen betreibt. Dort findet man die größte Samowar-Sammlung östlich des Baikal Sees mit ca. 30-40 Stücken. Manches kannten wir auch aus frühen Kindertagen: die hölzerne Waschmaschine, das Rubbelwaschbrett, mit Kohle befeuerte Bügeleisen, manches aus Deutschland importiert. Der Pope hatte mit seinen Söhnen auch Urweltliches gefunden: Ein Nashorn Schädel, Dino Knochen.

 

 

Dann wurden wir zum Essen eingeladen bei Sinaida. Die hatte sich traditionell in burjatische Tracht gewandet und hatte einen wundervollen 2-einser aus Blech (für Zahn Laien: das ist einer der Schneidezähne vorne). Sina hatte gekocht, als wenn wir zu 10 wären: gefüllte Teigtaschen, Kohlwickeln, Krautsuppe, Bouletten, Salate, weissen Speck. Ich war sehr höflich und habe von allem gekostet, außer vom Speck. Dann holte sie den selbst gebrannten Samagon (Hausschnaps). Der schmeckte ungewöhnlich gut und wir brachten gegenseitig viele Toaste aus, die jeweils mit dem Leeren des Glases verknüpft sind. Nur Sascha wollte nichts trinken, denn er war der Fahrer. Deswegen musste ich seine Gläser leeren.
Dann wollten Sina und ihre Freundin, die zwischenzeitlich auch gekommen war, uns mit der Gesangskunst und den Bräuchen der Altgläubigen vertraut machen.  Bei den Liedern hatte ich den Eindruck, dass es sich wohl um anzügliche Texte über die Vorzüge der burjatischen Mädels handelt, denn anschließend sollten die Hochzeitsbräuche behandelt werden. Mangels anderer Kandidaten wurde Franka und ich neu verheiratet. Franka wurde als Braut eingekleidet und ich bekam ein grünes Hemd mit handgeknüpftem Gürtel und einer Kappe (Made in China, habe ich darin gelesen) aufgesetzt. Nach einigen Liedern über die Vorzüge der Braut wurde diese plötzlich – Überraschung – entführt. Der Bräutigam hatte schon geahnt, dass er sie nun freikaufen muss. Verdamme Hinterlist, am Preis sieht man dann, was ihm die Braut wert ist. Wir hatten nicht mehr genug Rubel und ich habe dann in $ bezahlt, was Sina auch recht war. Um es kurz zu machen: Franka war mir 16$ wert, entspricht einer Kuh oder 20 Ziegen. Ein stolzer Preis.
Alle waren zufrieden und so verabschiedeten wir uns nach einem schönen Tag.


Am Abend vor unserer Abreise nach Wladiwostok gingen wir noch ins Theater. Gegeben wurde von Tschingis Aitmatow,Wenn die Berge stürzen. Es handelt sich um eine Liebesgeschichte, die aber tragisch endet, weil der Geliebte von dem Konkurrenten ermordet wird. Wir haben kein Wort verstanden, weil alles auf Burjiatisch gesprochen wurde. Trotzdem war es sehr kurzweilig

Theater Ulan-Ude

Der Amur

Unser Zug nach Vladivostok ging am nächsten Tag um 6:00 Uhr, so dass wir schon um 5:00 am Bahnhof sein mussten, um das leidige Problem mit Frankas Fahrschein zu lösen. Das kostete uns noch einmal 400 rbl, etwa 5,90 €. Der  Abschied war dann aber sehr emotional mit viel Umarmung, Küsschen links und rechts und Vera werden wir schreiben, wenn wir wieder in der Heimat sind.
Nach Vladivostok sind es 3 Tage. Der Zug erwies sich als vergleichsweise luxuriös, denn es ist der Zug Nr. 20. Die Sitze sind Stoff bezogen, in der Toilette gibt es auch Wasser und wir bekommen Frühstück und Abendbrot vom Speisewagen gebracht – wie im ICE 1.Klasse. Da wir zu zweit in einem 4-Bett Abteil sind und auch 4 Fahrkarten haben, bekommen wir alles 4-fach. Ordnung muss sein.
Neben der Strecke verläuft eine Sandstrasse parallel. Wenn dort mal ein Auto fährt, ist es immer ein russisches, niemals ein japanisches. Die Strasse besteht überwiegend aus Schlaglöchern und für die Autos geht es zu wie auf hoher See. Wahrscheinlich ist das Fahrwerk der Russen um ein vielfaches robuster, als das der Japaner, so dass sie die Tortur heil überstehen können.

Die Fahrt verläuft wie gewohnt: Lesen, Schlafen, Geratter, ab und zu hält der Zug an einer Kleinstadt oder auch nur einem Dorf. Manche steigen aus und manche ein. Manche gehen eine rauchen. Wie im echten Leben. Dann aber, kurz vor Chabarowsk überqueren wir den Amur. Eine riesige Wasserfläche, der Rhein ist ein schmaler Bach dagegen. Mir fällt das schöne Lied der Partisanen vom Amur ein.

Früh um 8:00 Uhr kommen wir in Wladiwostok an. Es ist -6° und verschneit. Wir werden abgeholt und zum Hotel gebracht. Das Hotel ist eine Überraschung, denn wir haben eine Suite mit Kochecke und einem Bad, das fast keine Wünsche übrig läßt. Keine Ahnung, wie wir zu so etwas kommen. Also erst einmal duschen und sich von der TranSib, in der wir nun drei ganze Tage zugebracht haben erholen. Langsam geht die Sonne auf und nach einem geruhsamen Frühstück wollen wir die Stadt erkunden.

Es gibt Leute, die Vladivostok mit San Francisco vergleichen. (Übrigens zur Schreibweise: Es gibt beides Wladiwostok ist die eingedeutschte Schreibweise, Vladivostok ist die russische Übertragung. ich benutze beides ohne irgendeine logische Überlegung – sorry). Also der Vergleich mit SF; ich finde ihn ganz passend, denn V. zieht sich auch über mehrere Hügel hin, der Hafen ist weitläufig am Fuß dieser Hügel und über die Bucht zieht sich eine gigantische Brücke, unter der auch hochseetaugliche Schiffe problemlos durchkommen. Sogar eine Bergbahn gibt es. Allerdings müssten die Flächen dichter besiedelt werden und es müsste ein wenig wärmer sein. Aber das wird schon…

Wir besuchten das Denkmal von den Mönchen Kyrill und Methodii, die im 9.Jahrhundert den slawisch sprechenden Völkern die nach ihnen benannte kyrillische Schrift brachten. Beide wurden heilig gesprochen. Leider liegt das Denkmal hoch oben über der Stadt, dafür wird man aber mit einem herrlichen Blick über Stadt und Hafen belohnt. Zurück sind wir dann mit der Bergbahn gefahren, denn auf den Wegen herrschte kräftig Glatteis. Das „warme“ Wetter läßt das Eis anschmelzen und dann wird es erst recht rutschig.

Vladivostok

Auf dem Rückweg laufen wir noch am Hafen vorbei, besuchen den Hauptplatz mit den Denkmälern der Rotarmisten, die mutig ihre Fahne gegen das (damals feindliche) Japan schwenken. Dieses friedlich neben dem Denkmal der zaristischen Pazifikflotte mit ihren Admiralen und anderen Würdenträgern, dieses wiederum friedlich neben dem Nikolai Tor, unter dem Du Wünsche äußern kannst und die gehen dann ganz bestimmt in Erfüllung. Franka hat sich gleich drunter gestellt, ich weiss aber nicht, mit welchem Wunsch. Insgesamt haben wir eigentlich schon alles Sehenswerte von Vladivostok gesehen.

Am nächsten Tag ist die offizielle Stadtrundfahrt mit unserer Agentur. Wir werden von Alexandra abgeholt. Schnell stellt sich heraus, dass sie das gleiche machen wollte, wie wir gestern schon abgelaufen sind. Das Wetter ist auch ziemlich mies geworden: Schneegestöber und Kälte. Wir beschließen, zur Universität von Vladivostok zu fahren, die erst Anfang 2000 in nur 4 Jahren als kompletter Campus hochgezogen worden ist. Das bedeutet eine Fahrt über die Golden Bridge, denn die Uni liegt auf der russischen Insel, etwa eine 3/4 Stunde entfernt. Sehr schöne Anlage, macht sicher Spass, dort zu studieren.

Als wir wieder im Hotel sind, fangen wir an, uns auf die Fortsetzung unserer Reise vorzubereiten. Dazu muß ein Packet in die Heimat mit unseren Wintersachen gepackt werden, das noch heute auf die Post soll. Ziel ist, unser Gepäck von drei auf zwei Koffer zu reduzieren. Morgen um 13:15 geht unser Flieger nach Tokio. Dort beträgt die Tages Temperatur derzeit +16°, ein Unterschied von rd. 20° ! Wir freuen uns schon, müssen aber mit Sommerklamotten hier zu Flughafen. Aber wir werden mit dem Auto gebracht.

Ach, was ich noch vergessen habe, in Wladiwostok ist Yul Brynner geboren! Die Stadt hat ihm ein Ehrenmal errichtet, obwohl er dort nur 10 Jahre seines Lebens gewohnt hat.

Ende der TransSib

Am letzten Tag in V. hatten wir noch einige belebende Erlebnisse. Wir schickten zwei Packete zur Erleichterung unseres Gepäcks mit der russischen Post. Weiter lesen!

Zum Tagesausklang gab es diemal Pizza und fernsehen.