SINGAPUR

Singapur gilt als eine der Städte mit den weltweit höchsten Lebenshaltungskosten. Zudem zählt der Stadtstaat mit mehr als elf Millionen ausländischen Touristen im Jahr zu den zehn meistbesuchten Städten der Welt. Hoffentlich reicht unsere Reisekasse noch für die drei Tage, die wir dort sein werden.

Wir haben uns im Mandarin Marina Hotel einquartiert, eine nicht gerade bescheidene Absteige. Da wir uns ja vorgenommen haben, möglichst viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, nehmen wir den Bus vom Flughafen in die Stadt. Der hält etwa 100 m vom Hotel.
Singapur ist eine Stadt des Autoverkehrs. Zwischen der Bushaltestelle und dem Hotel liegt eine 6-spurige, gut befahrene Strasse. Das Hotel selber ist Teil einer riesigen Shopping Mal, in der auf 5-6 Stockwerken Hunderte von Geschäften und Restaurants untergebracht sind. Viele der Restaurants sind japanisch. Darauf kommen wir später zurück.
Aber wir suchen den Eingang zum Hotel. Und der ist nirgendwo zu sehen. Wir rollen unsere Koffer durch Gänge, die möglicherweise zu den tieferen Schichten des Hotels gehören, aber die Rezeption ist nirgends zu sehen. Schließlich treffen wir auf Ortskundige, die uns über eine steile Treppe unsere Koffer bis zur Rezeption schleppen lassen.
Später stellen wir dann fest, dass es eine noble Vorfahrt zum Hotel von der Strasse aus gibt, die aber für solch schlichte Fußgänger wie unser einer nicht zugänglich ist. Da muss man schon mit der Karosse vorfahren und sich den Schlag vom Portier öffnen lassen. Kein guter Start für unsere Geschäftsbeziehung.
Dann sind wir endlich an der Rezeption. Das Mädel dort hat den Charme einer Tiefkühltruhe. Sie hat sicher gesehen, dass wir zu Fuss gekommen sind und nicht mit de Luxuskarosse. Trotzdem gibt sie uns unser reserviertes Zimmer, welches aber recht ordentlich und geräumig ist. Wir richten uns erst einmal ein, duschen und fallen nach einem fast 20-stündigen Tag erschöpft in die Federn.

 

Unser erster Tag in Singapur begann im Botanischen Garten. Singapore Botanic Gardens ist einer der wichtigsten Botanischen Gärten Asiens. Er ist 74 Hektar groß und ist mit jährlich 4,2 Millionen Besucher der meistbesuchte botanische Garten der Welt. 2015 wurde der Garten als erste Stätte Singapurs ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Wir fuhren hin, weil wir dort in der Casa Verde frühstücken wollten, das Frühstück wird sehr empfohlen. Es war auch ganz toll, so dass wir anschließend bis zum Mittag durch diesen berühmten Garten wanderten. Erst durch den Ginger Garden, dann weiter in den Orchideen Garten.
In einem Bereich des Gartens waren jene Orchideen versammelt, die der Staat Singapur jenen Politikern und anderen bedeutsamen Persönlichkeiten anläßlich ihres Besuches gewidmet hat. So fanden wir auch unsere Kanzlerin verewigt, neben solchen Personen wie Queen Elisabeth II, Prinzessin Diana oder Ms. Thatcher.
Der Garten war sehr gut besucht, zum Teil streiften ganze Gruppen durch die weitläufigen Wege. Eine japanische Hausfrauengruppe machte Gruppenfotos, Ehefrauen wurden vor blühenden Orchideen wirkungsvoll abgelichtet, Selfies wurden ohne Ende geknipst und Franka wurde auch in Szene gesetzt. Ein Waran hatte keine Angst vor uns und ließ sich geduldig fotografieren und in der Luft waren Vogelrufe, die zu Hause unbekannt sind, die wir aber im letzten Teil unserer Reise öfter gehört haben.

Eine Treppe war uns als Zeugnis der Geschichte Singapurs im WW II ein Foto wert. Sie ist aus Ziegelsteinen gebaut, welche während der japanischen Okupation von Singalesischen Kriegsgefangenen hergestellt werden mussten. Singapur war von 1942-1945 unter japanischer Herrschaft bis zur Kapitulation Japans. Die Japaner haben während dieser Zeit eine brutale Rolle gespielt und das einzige amüsante an der Geschichte ist – falls man das in diesem Kontext überhaupt witzig finden kann – dass die Japaner die Besetzung  Singapurs mit Fahrrädern erreichten. Da Singapur von See her uneinnehmbar galt, radelten sie von der Maleiischen Halbinsel kommend zum Angriff.

 

Unser zweiter Tag sollte der National Galerie gewidmet werden. Down Town gelegen konnten wir das Museum zu Fuß erreichen. Die National Galerie ist aus den Gebäuden der City Hall und des obersten Gerichtes von Singapur entstanden, die beide als nationale Denkmäler eingestuft sind. Sie wurden erst im November 2015 nach längeren Umbauten eröffnet. Die Umbaukosten betrugen 532 Mio S$, was in etwa 350 Mio € entspricht. Dafür ist allerdings ein sehr schöner Bau mit einer Ausstellungsfläche von insgesamt 64.000 qm entstanden.
Es gab mehrere Ausstellungen, u.a. chinesische Federzeichnungen verschiedener Künstler und eine Ausstellung Artists and Empire, letztere zur Kolonialzeit in Singapur und ihr Niederschlag in der Kunst.

Das weitläufige Gebäude war so sehenswert, dass wir uns zum Schluß erschöpft im Dach Café mit einem Glas Chardonnay bzw. einem MX7 (was ist das denn? Ein Saft Cocktail!) erholen mussten.

Vom  Dach der National Galerie hat man eine tolle Aussicht auf den Hafenbereich und die Hochhaus Bebauung dort. Was dort mit hohem Kapital Aufwand hingestellt wurde ist schon beeidruckend. Die Kreativität der Architektur macht Singapur zu einer Stadt, die Vergleiche mit Manhatten und anderen Weltstädten nicht scheuen muss. Hier wird Kapital investiert und die allgemein hohen Preise spiegeln dies wieder. Singapur zeigt seinen Reichtum mit dieser Stadtgestaltung und der wachsende Tourismus ist sicher eine Folge davon. Wir wollen einige der architektonischen Highlights ansahen und erleben. Daher sind wir für den Abend im Marina Bay Sands zum Abendessen verabredet.

 

Das Restaurant befindet sich im 57.Stock im Sands SkyPark, der auf einer Fläche von 1,2 Hektar eine für die Öffentlichkeit zugängliche Aussichtsplattform umfasst, sowie einen Garten mit Bäumen und einen 146 Meter langen Infinity Pool. Das Gebäude besteht aus drei Hoteltürmen mit je 55 Stockwerken, die im Juli 2009 ihre maximale Höhe von 191 Meter erreichten. Wir trabten pünktlich um 18:30 in dem Gebäude an und standen erst mal in einer Schlange. Alle wollten auf die Dachtersse, um den Sonnenuntergang zu sehen. Als wir aber bescheiden erwähnten, dass wir ja im Restaurant eine Reservierung haben, durften wir die Schlange verlassen und wurden express in den 57. Stock transportiert.

Die Aussicht war gigantisch. Hinter den Hochhäusern ging langsam die Sonne unter und alle drängelten sich an den besten Aussichtspunkten, um mit dem Handy diese Romantik einzufangen (mit sich selber im Vordergrund, versteht sich!). Das Bier kostet rd. 20 €, aber das war die Aussicht wert. Dann durften wir Platz nehmen. Es sollte unser Abschieds Essen von Singapur werden, deswegen zog sich das Menü etwas hin. Es wurde Nacht und die vielen Schiffe in der Bay knipsten ihr Licht an. Zwischen Bay und Hotel liegt der Gardens by the Bay. Dies ist ein 101 Hektar großes Parkgelände, das im zentralen Bezirk Singapurs auf künstlich aufgeschüttetem Land angelegt wurde. Es ist mit Baum-Skulpturen, klimatisierten Botanik Hallen für Pflanzen, die kühleres Klima brauchen und natürlich der Park Anlage gestaltet. Mit einbrechender Dunkelheit leuchteten auch hier die Lichter und ein farbige Light Show rund um die Baum Skulpturen verlängerte die Romantik, die schon mit dem Sonnen Untergang gut begonnen hatte. Das Essen will ich jetzt hier nicht weiter besprechen, es war bestens gekocht, so dass wir dem Geld nicht nachweinen müssen. Dass es billig wird, war nicht zu erwarten gewesen.

Unser letzter Tag in Singapur sollte den Besuch des Art Science Museum dienen sowie dem Besuch der Gardens of the Bay. Beides hatten wir am Abend vorher aus der Höhe des Marina Bay Sands schon gesehen, aber auch von unserem Hotel Fenster aus. Die Architektur des Museums soll an eine Lotus Blüte erinnern oder auch die „Welcoming Hand of Singapore“. Der Bau ruht in der Mitte auf seinem Fundament und bildet mit 10 Ausformungen, die auch als Finger bezeichnet werden, die Form der Blüte. Jede dieser Ausformungen stellt Raum für Ausstellungen oder Veranstaltungen zur Verfügung.

Bevor wir aber diesen Plan in Angriff nahmen, ging es zum Frühstück. In den Einkaufs Malls beginnt das Leben erst um 10:00, vorher macht auch kein Cafe auf. Aber in den unteren Etagen, in den chinesischen, vietnamesischen, japanischen Strassen Restaurants pulst das Leben schon viel früher. Dort geht der einfache Singapurlese frühstücken, bevor er zur Arbeit geht. Wir nahmen eine Nudelsuppe mit Gemüse und Fleisch zu uns und verglichen mit dem Abendmahl vom Abend vorher kostete das nur ein Taschengeld. Aber: Nudeln mit Stäbchen essen!

 

Science Art Museum

Im Science Art Museum war Kinder Tag. Etwa 50-100 Kinder im Alter von 5-10 liefen herum zusammen mit ihren stolzen Müttern. Aber es gab auch wirklich viel zu sehen. Wir  gingen in eine Ausstellung mit dem Titel FUTURE WORLD: WHERE ART MEETS SCIENCE
Das Museum hat in Zusammenarbeit mit dem japanischen teamLab, ein interdisziplinäres Künstler Kollektiv, eine Welt der Kunst, Magie und Wissenschaft geschaffen, die nicht nur die Kinder, sondern uns auch faszinierte. Interaktive, digitale Welten wurden in großen, dunklen Räumen projiziert, die in Wellenmustern über die Wände brandeten oder als japanische Zeichen vom Himmel trudelten – so bald man sie berührte verwandelten sie sich in die Tierbilder des buddhistischen Kalenders. Oder die ganze Wand war ein Aquarium, in dem Fische und andere Meerestiere herum schwammen. Du konntest selber eines entwerfen, auf ein Blatt Papier zeichnen und einscannen und – schwupp – schon schwamm es mitten in den anderen.
Die Kinder waren begeistert, denn dies ist nur eine kleine Auswahl aus weiteren interaktiven Spielen. Uns hat es auch viel Spass gemacht.

Dann wollten wir doch die Bay South Garden sehen, gleich daneben. Das 54 Hektar große Teilgebiet war im Juni 2012 fertiggestellt. Im Bay South Garden befinden sich zwei mit Glas eingehauste Biotope, in denen jeweils verschiedene Faunen aus unterschiedlichen Klimazonen gezeigt werden.

Der moderne Park ist die größte von drei Grünanlagen, die in den vergangen Jahren rund um das schicke Hafenviertel entstanden sind und die unter dem Namen „Gardens by the Bay“ Touristen sowie Einheimische anlocken sollen. Die Kosten für alle drei Landschaftsprojekte zusammen werden auf mehr als eine Milliarde Dollar geschätzt.

Zwei gigantische Gewächshäuser sind nun im Bay South für Besucher geöffnet. Mehr als 220.000 Pflanzen aus der ganzen Welt lassen sich hier begutachten. Der Flower Dome ist knapp 1,2 Hektar groß und verfügt über ein gemäßigtes Klima. Hier haben unter anderem Gewächse aus dem Mittelmeerraum eine Heimat gefunden.

Wir gingen in den Flower Dome. Er wurde als das größte Glasgewächshaus der Welt ins Guinness-Buch der Weltrekorde 2015 aufgenommen. In ihm werden milde, trockene Klimaverhältnisse geschaffen. Es werden Pflanzen gezeigt, die typisch für die mediterranen oder halbtrockenen Klimazonen sind.
Hier herrschte Frühling, denn die japanische Kirschblüte war da. Wir entdeckten aber auch die vielen Skulpturen, die – überwiegend aus Holzstücken gestaltet – überall zwischen den Pflanzen aufgestellt waren.

Supertree Grove

Heute Abend werden wir die Super Trees sehen, die abends farbig illuminiert werden. Die Super Trees sind pflanzenbewachsene Stahlgerüste in Form von Bäumen mit Höhen zwischen 25 und 50 Metern. Sie dienen unter anderem der Aufzucht von seltenen Pflanzen. Ferner wird mittels Photovoltaik Elektrizität für Beleuchtung und Kühlsysteme gewonnen, werden die Niederschläge zur Bewässerung der Pflanzen gesammelt und einige der Bäume dienen als Kühltürme für die Kühlsysteme in den Glashäusern. Der Spiegel schreibt 2012 zur Eröffung: Die Landschaft sieht aus wie die Szenerie eines Science-Fiction-Films. Der ehemalige Premierminister Lee Kuan Yew sprach schon vor Monaten vom „Stolz von Singapur“ als er die Baustelle besuchte. Am Freitag wurde nun die 54 Hektar große Parklandschaft Bay South feierlich eröffnet. Das Großprojekt im neuen Stadtteil Marina Bay soll die grüne Lunge der asiatischen Metropole werden.

Die Lichtshow beginnt um 7:30 pm. Wir sitzen an einem kleinen See, der mit einer niedrigen Steinmauer umfasst ist. Ein guter Aussichtspunkt, denn gegenüber erheben sich drei der Super Trees, dahinter weitere. Um uns herum floaten viele Touristen, man hört deutsche Sprachfetzen, Indische und chinesische Großfamilien mit einer Schar kleiner Kinder, Japanerinnen mit Sonnenschirm und sicher sind auch Singapuilesen darunter.

Die Super Trees sind mit der normalen Abend Illumination beleuchtet. Diese geht Schlag 7:30 aus, Ein Tusch erschallt, die Lichter gehen aus und dann flimmern bunter Lichter über die Bäume, blau, rot in allen Farben. Sie fluten von unten hinauf bis in das Geäst, dann wieder herunter, im Kreis, in Wellen und in bewegten Sektoren. Dazu schallt Musik, überwiegend aus bekannten Filmen und Musicals: Piraten der Karibik, Titanic, Eisprinzessin, Arielle.

Nach einer Stunde ist alles vorbei und wir fahren mit der Metro ins Hotel. Nicht ohne vorher original japanisch zu  Abend essen zu gehen: Es gibt Ramen, d.h. Nudeln mit Einlage und weich gekochtem Ei, zu essen mit Stäbchen, versteht sich. Das Hemd ist ruiniert.

Dies war der letzte Abend unserer Reise, die genau 167 Tage gedauert hat. Ein schöner und angemessener Abschluss.

Nach einem Flug von 12 Stunden landen wir schließlich am 17.März um 20:30 in Frankfurt. Singapur Airlines ist eine vergleichsweise komfortable Fluggesellschaft, kein Stress wegen Gepäck und jede Menge Bubbles. Wir kommen auch ohne Beanstandung durch alle Kontrollen, der Zoll hat kein Interesse an unserem Gepäck. Was sollten wir auch aus Singapur heraus schmuggeln?

Dann treten wir nach so vielen Tagen wieder auf deutsches Terrain und wem sehen wir uns gegenüber? Rosalie und Klaus Dachsteiner hatten wir ja schon erwartet. Aber da standen ja noch Gisela, Anne und Julia! Das war ein große Überraschung und wir haben uns sehr gefreut. Es ging standesgemäß weiter, denn Gisela hatte natürlich eine Flasche Mosel-Bubbles dabei. So konnten wir noch ein Foto des Empfangs Komitees machen, das den Foto des Verabschiedungskomitees entspricht.

Empfangs Komitee
Happiness is happiness in every country