Am 1.Dezember sind wir von Osaka nach Ha Noi geflogen. Eine 4-stündige Reise und ein Zeitsprung von 2 Stunden rückwärts. Wir wurden am Flughafen, der 50 km außerhalb liegt, abgeholt und zum Hotel gebracht. Das Hotel ist klein aber fein, die Aussicht aus dem Fenster ist so:

Die Temperatur ist mit 24° sehr angenehm, vor allem, weil es in Japan doch immer recht frisch war. Wir sind dort nur in Pullover und Jacke herumgelafen. Hier sind dagegen Polohemd und leicht Kleidung angemessen.

Ha Noi

Der erste Eindruck von Ha Noi: Sehr laut. Wir hatten es schon gehört und sogar schon Fotos davon gesehen: Die Strassen gehören den Motorrollern und Mopeds. Es gibt zwar auch viele Autos und manchmal Busse, aber das Verkehrsmittel des kleinen Mannes ( und der kleinen Frau) ist der Motorroller. Und zum Fahren gehört, das man ordentlich die Hupe bedient. Denn Verkehrsregeln scheint es nicht zu geben, außer dass Rechtsverkehr herrscht. Das hindert aber nicht daran, dass links und rechts überholt wird, aus Seitenstrassen in den Hauptverkehr hinein gedrängelt wird oder auch mal auf den Gehweg weitergefahren wird.
Das zweite Wunder: wie komme ich über die Strasse? Du stehst an der 3-Spurigen Hauptstrasse und es fahren ununterbrochen (gefühlt) ca. 100 Motorroller und 20 Autos pro Sekunde an Dir vorbei. Keine Fussgängerampel weit&breit zu sehen. Ganz einfach, Du gehst einfach los! Der Verkehr brandet links und rechts um Dich herum, es wird gehupt aber ist wie dazumal Moses am Roten Meer, Du gehst trockenen Fusses über die Strasse und kommst sicher und wohlbehalten drüben an. Das haben wir gleich am ersten Tag gelernt. Ich habe da mal ein kleines Video vorbereitet.

Der Motorroller hat ein unendliches Fassungsvermögen. Es werden ganze Säcke, meistens mehrere übereinander gestapelt transportiert, Kartons und Kisten, die den Fahrer weit überragen, ausladende Blumen und Früchte Körbe und was sonst noch zu transportieren ist. Manche Motorroller sind mit 3-4 Personen besetzt, vier Generationen haben auf einem Roller Platz, wenn man sie nur ordentlich platziert: Vor dem Fahrer die Kinder, hinter dem Fahrer die Frau, welche auf dem Schoss der Oma sitzt. Der Roller trägt alles.

Auch Hanoi hat einen Lenin Platz. Mit einer ordentlichen Statue von dem großen Wegweiser des sozialistischen Vietnams. Die Nutzung des Platzes wird der Würde aber nicht gerecht. Da wird Fussball gesphanoi-1-2ielt, Skateboard gefahren, GoCard gefahren und herumgesessen und geklönt. Aber vielleicht hätte das ja dem großen Führer besonders gefallen, denn meines Wissens war er kein großer Anhänger des Personenkultes, von wem auch immer. Ob das gleiche auch für Ho Chi Minh gilt, weiss ich nicht. Jedenfalls wurde für ihn ein Mausoleum erbaut, das ein wenig wie die zu klein geratene Akropolis aussieht, aber von einer ganz in Weiss uniformierten Garde bewacht wird. Diese wechselt Punkt 12:00 mit 4 Soldaten, die im Stechschritt an- und abmarschieren. Das isimg_0106t nun nach den Wachwechseln von Stockholm und Moskau die dritte dieser Ballett Aufführungen, die wir sehen dürfen. Ganz in Weiss – das ist neu und hat schon was. Man denkt unwillkürlich an Operetten Fürstentümer, was HCM sicher nicht recht gewesen wäre.

Aber spätestens am Abend stellt sich die Frage: Was essen wir? Wir unsere Essstäbchen eingepackt und los. Guten Appetit (Du wirst ihn brauchen) .

In Vietnam dreht sich vieles ums Essen. Diejenigen, die in diesem Geschäft tätig sind haben oft einen harten Job. Da fängt in der Landwirtschaft an und geht in den Städten bei den vielen Menschen weiter, die Lebensmittel heranschaffen, verkaufen, zubereiten und zum Schluss den Müll wegschaffen. Als Tourist bleibt einem da vieles verborgen.

Wir haben uns ein paar Ausflüge auf’s Land organisiert, damit wir nicht allein das Leben der Großstadt kennen lernen. Erst Mal haben wir kennengelernt, was es heißt, in Vietnam Bus zu fahren. Ein alter Hunday Bus mit Deutschen, Kanadiern, Italiener rumpelte über Schlag übersähte Strassen. Der Fahrer, völlig enthemmt, überholte auch dann, wenn andere entgegenkamen oder in der Kurve. Nach drei Stunden waren wir in Mei Chau, ein Dorf, das den Eingang in die Welt des Tourismus gefunden hat. Einige blieben über Nacht, wir wollten am gleichen Abend zurück. Aber erstmal gab es eine Fahrrad Tour übers Land. Wir sahen die Arbeit auf den Reisfeldern, aber auch Webstühle und Obststände. Ob die zum Verkauf stehenden Tücher alle in Heimarbeit entstanden sind, möchte ich bezweifeln. Hoffentlich sind sie wenigsten Made in Vietnam!

Das Dorf ist ökologisch ausgerichtet, was bestimmt nicht die Idee der vietnamesischen Seite gewesen ist. Aber wer ruhige Tage in ländlicher Abgeschiedenheit und autentisch sucht, ist hier richtig. Wer hinwill: The land is situated from 20°24 ‚ to 20°45‘ north latitude and from 104°31 ‚ to 105°16‘ east longitude.

Halong Bay

6.Dezember 2016
Die Halong Bucht, Welt Kulturerbe und zugleich auch weltweit bekannt mit den bizarren Felsen, die aus dem Wasser ragen, wie Drachenrücken. Dieses Naturwunder zu sehen, war ein fester Meilenstein unserer Reise. Franka hatte eine dreitägige Fahrt  mit einer Dschunke organisiert, die wir mit 11 anderen Reisenden teilten.

Die Legende besagt, dass vor tausenden von Jahren ein Drache auf den Bergen des Nordens lebte. Er sah ein großes feindliches Heer aus den Norden (China!) anrücken. Das mochte er nun garnicht leiden und  stieg von seinem Berg herab und begann mit den wilden Schlägen seines riesigen Schwanzes das Heer zu bekämpfen. Dabei schlug er tiefe Risse und Täler in den Boden. Als er die Feinde vertrieben hatte, versank er von seinen Wunden verletzt im Meer. Sein riesiger Körper verdrängte so viel Wasser, das das Meer sich zwischen den Tälern des Kampfes ausbreitete und so die Landschaft der Halong Bucht entstand.
Die Wahrheit ist, wie so oft, nüchterner. Während der letzten Eiszeit senkte sich die süd-west chinesische Kalktafel und  verursachte so, dass aus dem Chinesischen Binnenmeer das Wasser ablief und die Küstenlandschaft überschwemmte. Die sichtbaren Felsen der Halong Bucht sind zu 80% aus Kalkstein und damit besonders anfällig für Erosion. Dies ist der Grund für die bizarren Formen der Felsen, die den Reiz der Halong Bucht ausmachen.

Die Dschunke mit der wir reisten heißt Dragon Pearl, aber für uns war von vornherein klar, dass sie Black Pearl genannt werden sollte. Die Mannschaft bestand aus etwa 10 Vietnamesen im Alter zwischen 25 und 35. Auch diese gaben sich zu Gunsten der Touristen Phantasienamen, damit wir sie besser aussprechen und behalten können. Unsere Bedienung bei Tisch wollte gerne Spiderman genannt werden, das war uns aber zu lang, denn sein richtiger Name war Cong und so wurde er dann auch gerufen. Dass der Kapitän aber Jack Sparrow hieß, hat uns dann nicht mehr gewundert. Am ersten Tag abends fanden wir uns zusammen mit den Mitreisenden im Speisesaal der Black Pearl zum Dinner ein. Umgangssprache war selbstverständlich Englisch, denn die kleine Gesellschaft bestand aus einem Ehepaar aus Südafrika, einem Ehepaar aus Neuseeland, einem frisch vermählten Paar aus Indien, die ihren Honeymoon mit dieser Reise verbrachten, zwei deutsche Mädels aus Hamburg, ein junges chinesisches Paar aus USA und ein Kerl aus Brasilien, der mit dem Motorrad ein Jahr um die Welt fährt. Alle Altersgruppen waren vertreten.

Das Schiff hatte 13 Kabinen, die jede mit Bad und WC ausgestattet sind. Auf den zwei Oberdecks konnte man sich sonnen oder einfach nur rumsitzen und es sich gut gehen lassen.

Die Route sollte uns fern von den überlaufenen Teilen der Halong Bucht in etwas entfernte Gewässer führen. Kap. Jack Sparrow hielt uns über den genauen Kurs auf dem Laufenden. Zunächst aber ging es hinaus in diese bizarre Welt der Felsen und Inseln, die steil aus dem Wasser ragen und karg bewachsen sind. Das Gestein besteht überwiegend aus Kalk, der durch Erosion geformt wird. Es wurde schon dämmerig und – wie Kulissen gestaffelt – konnte man die Felsformationen hintereinander bis zum Horizont wahrnehmen. Der Anblick war trotz trüben Wetters so, wie wir es erwartet hatten: fremdartig und wie auf einem fremden Planeten.

 

Barbeque Halong Bay

Barbeque Halong Bay

Halong Bay

Halong Bay

Barbeque Halong Bay

Barbeque Halong Bay

Das Dinner abends war vietnamesische Sterne Küche: Karotten-Papaya Salat, überbackene Shrimps, gebackener Fisch, Spiesse mit Huhn, Paktscho Gemüse, Reis. Gerne hätten wir dazu einen französischen Sauvignon Blanc aus dem Ardeche getrunken, der an Bord war. Aber er kostete  die Unsumme von 600.000,00 Dong. Wieviel sind das in Euro? Nachrechnen mit dem Handy und siehe da: es sind nur ca. 22 €. Das ist für vietnamesische Verhältnisse teuer, aber zu Hause kostet ein passabler Wein das gleiche im Restaurant. Also her damit!
An das Schlafen im Boot muss ich mich noch gewöhnen. Das leichte Schaukeln, das Plätschern des Wassers ließ den Schlaf in der ersten Nacht eher unruhig sein – in der nächsten Nacht haben wir dann geschlafen, wie die Seebären.
Der nächste Tag sollte uns ein Barbecue am Strand bringen. Vorher hat aber  der Kapitän eine Paddeltour angesetzt, zwei Stunden im Kajak um die Felsen bis zum Strand. Irgendwann ist man für solche Sachen zu alt, aber ich habe es mit Frankas Hilfe dann doch geschafft. Am Strand hatten dann Spiderman und seine Kumpanen einen ansehnlichen Grill aufgebaut, auf dem Garnelen, Fleischspiesse und Spar Ribs gegart wurden. Gemüse, Reis und Melonen zum Nachtisch rundeten die Sache dann ab.
Dann wurde der Motor angeworfen und es ging aus der Halong Bay hinaus in die Bai Tu Long Bucht, wo wir mit dem Sonnenuntergang verabredet sind.

halong-bucht

Tropfstein Höhle Halong Bucht

Viele der Felsen in der Halong Bucht sind von Höhlen durchzogen. Eine davon haben wir erklettert und besichtigt.

Der letzte Abend war besonders schön. Der Koch hatte sich große Mühe gegeben und alle 10 (!) Gänge besonders hergerichtet. Da waren aus dem Radi Schwäne geschnitzt, Aus Kürbis und anderen Früchten war die Black Pearl geschnitzt, ein Drache auch aus Kürbis, kurz: sie hatten sich sehr viel Mühe gemacht, was nicht selbstverständlich ist. Überhaupt hat mich ie Professionalität der Mannschaft sehr beeindruckt. Der Reiseleiter hatte ein großes Talent, den Verlauf der Reise zu vermitteln, aber auch uns das Gefühl zu vermitteln, dass wir ihm ganz besonders ans Herz gewachsen sind. Er war höchstens 35.
Wir hatten ja zwei „Honey Mooner“ an Bord. Die zwei Inder waren frisch verheiratet, Chris und Whyne aus Neuseeland hatten Silberhochzeit. Beiden hat die Crew einen Hochzeitskuchen gebacken und ein Spiralförmige Muschel  – Sinnbild für Glück und langes Leben – überreicht. Danach gab es Party auf dem Achter Deck.

Bevor wir unsere Heimreise nach Halon City starteten, war es für unseren Chang ein Anliegen, uns mit dem Leben in den schwimmenden Dörfern der Fischer in der Bucht vertraut zu machen. In der Halong Bucht leben 47 Familie in 9 Dörfern auf dem Wasser – eine Water World (Ihr erinnert Euch noch an den Film) im Kleinen.

Hier geht’s lang!

Yen Duc

 

Nachdem wir von der Black Pearl Abschied genommen hatten, konnten wir noch eine Nacht in dem Dorf Yen Duc verbringen.Auch hier wurde aber dem Tourismus bereits Rechnung getragen, indem wir erfuhren – und auch selber arbeiteten – wie Reis geschält und für den Verzehr aufbereitet wird. Danach ging es zu den Fischern, die in einem kleinen Tümpel Fische züchten und fangen.
Das musst Du Dir so vorstellen: Du ziehst Dir eine Angler Hose an, also Gummistiefel, die bis zur Hüfte reichen. Dann bekommst Du einen geflochtenen Korb, an dem unten die Stäbe noch rausschauen und in dem oben eine Öffnung gelassen ist. Außerdem ziehst Du über die rechte Hand einen Gummi Handschuh, der bis zum Ellbogen reicht. Dann geht’s ab in den Teich. Das Wasser ist komplett undurchsichtig. Auf gut Glück haust Du den Korb mit der offenen Seite ins Wasser bis auf den Grund. Wenn Du Glück hast, ist ein Fisch darin gefangen. Das gelingt etwa in 10% der Fälle. Dann versuchst Du, mit der Handschuh Hand den Fisch durch die Öffnung oben zu greifen. Das ist nicht einfach, weil der Fisch flutscht. Aber irgendwann hat der Fisch verloren und Du ziehst ihn heraus und deponierst ihn in einer Wanne. Franka hat auf diese Art gleich zwei Mal einen Fisch gefangen, ich leider gar keinen. Mit uns war eine Familie aus Singapur mit 3 Söhnen, die mächtig Spass und auch Erfolg hatten. Am nächsten Tag besuchten wir eine alte Dame, die im Dorf sicher zu den oberen Schichten gehört. Ihr Haus war groß und sie war stolz auf einen Stammbaum, der 200 Jahre zurück reichte. der Urgroßvater ihres Mannes hatte das Anwesen damals begründet. Da dieser Besitz immer nur an den ältesten Sohn weiter gereicht wird, wurde sie durch Heirat – inzwischen Witwe geworden – Eigentümerin dieses Hauses. Auch Ho Chi Min war vor 40 Jahren zu Gast, wie ein Foto belegt.

Die andere Dame, die wir dann besuchten war Besenbinderin ud lebte mit ihrem Mann in eher bescheidnen Verhältnissen. Aber sie brachte uns bei, wie man aus Reis Stroh Besen herstellt. Den Besen, den wir zusammen knüpften, durften wir behalten.

 

Yen Duc ist aber auch die Heimat der Puppen-Wasserspiel Bühne, die wir bereits auf der Herreise besucht hatten. Zu den Wasserpuppen

 

Hue

Huế, das von 1802 bis 1945 Vietnams Hauptstadt war, ist vor allem durch die Zitadelle mit der Verbotenen Stadt (eigentlich die Palastanlage der Nguyen-Dynastie, die von 1802 bis 1945 die vietnamesischen Kaiser stellte), die nach dem Vorbild in Peking entstand, bekannt. Sie wurde 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
Nach den Erfahrungen in Hanoi konnte uns der Verkehr hier in keiner Weise beeindrucken. Wir liefen durch die Herden von Mopeds, als hätten wir es nie anders gekannt. Im übrigen kam mir Hue vor, wie Ost Berlin kurz nach der Wende. Die Bürgersteige durchweg zerfallen oder garnicht vorhanden, viele Baustellen, die nicht den Eindruck vermittelten, als ob sie auch in naher Zukunft beendet werden. Deutlich weniger Restaurants, als in Hanoi, dafür aber zum Teil prachtvolle Hotels.
Auffällig war, dass auf den Strassen viel mehr Ausländer, vor allem Deutsche und Franzosen zu sehen und zu hören waren. Mir scheint, dass Hue sich zu einem touristischen Höhepunkt erst noch entwickeln muss.
Wir wurden morgens von Chu abgeholt, der etwa Ende 40 alt war und gut Englisch sprach. Die Aussprache war allerdings gewöhnungsbedürftig.
Hue wird von dem Parfüm Fluss durchzogen, der zur Zeit wegen des vielen Regens Hochwasser führt. Er ist deutlich breiter als der Rhein bei Köln. Wir bestiegen ein Drachenboot, das von einer kleinen Familie -Mann, Frau, Kind von 2 Jahren – gefahren und wahrscheinlich auch bewohnt wird. Kaum abgelegt, packte die Frau einen kleinen Laden aus, der aber nur touristischen Plunder enthielt.
Chu führte uns zunächst zu der Thiên Mụ– oder Linh Mụ-Pagode (17. Jahrhundert), später dann in das Grabmal von Kaiser Khải Định in  der verbotenen Stadt. Ich erspare mir die Lobgesänge auf diese historischen Köstlichkeiten, denn ich fand sie zwar schön und auch beeindruckend, aber ziemlich heruntergekommen. Hue hat eine hohe Luftfeuchtigkeit und das merkt man besondes an den historischen Bauten, die von Feuchtigkeit schwarz und mit Flug Algen bedeckt sind. Sie sollen wohl zukünftig aus UNESCO Mitteln nach und nach restauriert werden. Ich befürchte, dass vorher einiges verfallen wird.

Interessanter waren die Gespräche mit Chu, dessen Vater in der Wiederstandsorganisation FNL gekämpft hatte. Er führte uns in eine Museum, in welchem uns eine alte Dame – sie war 87 – und das Leben auf dem Lande vor 50 Jahren demonstrierte. Sie war sehr witzig und charmant und hatte keine Mühe, das Wasser Schöpfrad zu treten, die Reismühle zu drehen und dabei alte, vietnamesische Weisen zu singen. ich glaube, sie hat einen Joint geraucht. Nach einer Papirossi hat es jedenfalls nicht geduftet.

Wikitravel ist immer eine gute Adresse, um auch das Ungewöhnliche zu entdecken und vor lauter Tourismus auch das soziale Empfinden nicht ganz unter den Teppich zu kehren. Überall in Vietnam werden Massage und Mani- und Pediküre angeboten. Wikitravel aber machte uns auf eine Blindeneinrichtung aufmerksam, die Massage und Kräuter Dampfbad anbietet. Im Hotel kannten sie wohl diese Einrichtung, wollten uns aber zunächst mal an Kusine, Vetter oder sonstige Verwandte verschachern. Wir aber waren hartnäckig und so fielen wir den blinden Masseuren und Masseurinnen unter die Fäuste. Willst Du wissen, wie’s uns erging?

Saigon

Nun ja, eigentlich heisst Saigon ja Ho Chi Min City. Da ich aber noch nie verstanden habe, warum der Sozialismus einen Hang zum Personenkult hat, bleibe ich bei dem alten Namen. Ho Chi Min möge es mir nachsehen, ist nicht persönlich gemeint. Der Name war ohnehin nur ein Psydonym, eines von bis zu 50, wie Wikipedia berichtet.

Im Vergleich zu Hanoi und auch Hue macht Saigon einen sehr modernen Eindruck mit Hochhäusern im City Bereich, Geschäfte, in denen keine der Weltmarken fehlt, Restaurants, die sich von den Strassenküchen in Hanoi deutlich unterscheiden. Allerdings wird auch vor Strassenkriminalität gewarnt, was bisher nicht der Fall war. Da hatten wir mehr den Eindruck, dass man in Vietnam nichts verliert und nichts vergisst. Es wird einem alles nachgetragen. Unser erster Besuch galt dem Präsidentenpalast, der mitten in der Stadt, umgeben von Parkanlagen liegt. Festsäle, Konferenzsäle, Konzertsäle, Präsidentenwohnung – alles bestens erhalten und für das zahlreiche und staunende Publikum zugänglich. Dieser Besuch macht deutlich, dass der Vietnamkrieg in Saigon viel präsenter ist, als in Hanoi oder Hue, von den ländlichen Dörfern einmal ganz zu schweigen. Hier in Saigon scheint das Kapitel noch lange nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund werden wir noch das Mseum für Kriegsverbrechen besuchen.

Ob denn den vielen jungen Menschen dort bewußt ist, welche üblen Gestalten dort als Generäle und Präsidenten vor nicht einmal 50 Jahren residiert haben und dann noch von den USA hofiert wurden? Ich weiss es nicht, allerdings war es vielen wichtig, ein Selfi vor Palast und Prachtsälen zu schießen. Für ein update empfehle ich diesen link, der zwar etwas linkslastig ist, aber die Daten gut ins Gedächtnis zurück ruft. Wer auch an der Gegen-Meinung interessiert ist, kann hier lesen. Wie auch immer das alles zu beurteilen ist, wahr ist nur eines: Kriege sind menschenfeindlich und wer sie initiiert oder befürwortet macht sich an den Folgen mitschuldig.

Dieses im Hinterkopf wollen wir auch das Kriegsopfermuseum besuchen. Allerdings sind wir vorher de Großstadt Saigon entflohen, um 2 Tage auf der Insel Phu Quoc zu verbringen, die ganz im Süden vor der Westküste Vietnams liegt. Durch Zufall sind wir auf diese Idee gekommen, denn in Mannheim gibt es ein vietnamesisches Restaurant, heißt natürlich auch Saigon, und der Kellner, als er hörte, dass wir nach Vietnam reisen, hat gemeint, dann MUSSS man nach Phu Quoc gehen, weil der schönste Strand dieser Welt und überhaupt. Da haben wir von der Auszeit eine Auszeit von 2 Tagen genommen und sind nach Phu Quoc geflogen.

 

Morgen Abend verlassen wir Saigon in Richtung Melbourne und damit auch Vietnam. Eine Welt, die wir bis dato nicht kannten und die uns aber heute nicht mehr fremd ist. Ein Land, das 40 Jahre nach einem brutal geführten und unmenschlichen Krieg unter der sozialistisch/kommunistischen Regierung zu einer Welt geworden ist, die uns Fremden gegenüber offen und freundlich ist. Keinmal hatten wir das Gefühl, besch… zu werden oder schlacht angesehen, weil wir aus einem westlichen Land kommen. Über den Verkauf der Telefonkarte, die aber schon abgelaufen war, wollen wir schmunzelnd hinweg sehen. Unser Tag heute sollte dann ins „war remnent museum“ führen, das frühere Kriegsmuseum, das sich vor allem mit dem US geführten Vietnam Krieg auseinandersetzt und die französische Kolonialzeit auch streift.

Das Museum war sehr gut besucht, vor allem von Touristen, aber auch von Vietnamesen. Was soll man darüber schreiben? Es wurden sehr viele Fotos gezeigt, viele Fakten dokumentiert, die zeigen, mit welcher Brutalität gegen die Zivielbevölkerung zu Felde gezogen wurde. Was soll man dazu noch sagen? Die Bilder der Opfer von Agend Orange, die Folterungen, der Krieg gegen die Zivilbevölkerung, die menschen verachtenden Sprüche der US Generäle, da bleibt man sprachlos. Ob man nun vor dem Museum auch noch Panzer, Flugzeuge, Helikopter auffahren muss, darüber läßt sich trefflich streiten. Im Nachhinein, also zu spät, sind wohl einige US Akteure ins Grübeln gekommen, aber Irak, Afganistan zeigen: nicht nachhaltig.

Sehr viele junge Menschen besuchten das Museum. Diese Kriege fanden so weit vor ihrer Geburt statt, dass eine persönliche Betroffenheit wohl kaum zu erwarten war. Sie haben sich so auseinandergesetzt, wie auch andern Orts: sie haben ein Selfi geschossen oder sich fotografieren lassen. Sehr gut mit Plakaten dokumentiert: die Solidarität der DDR mit dem Kampf des Vietnamesischen Volkes. Schön wäre es, wenn diese Solidarität auch heute noch bestehen würde. Aus den Nachrichten hat man allerdings diesen Eindruck leider nicht. Schade.

Riders in the Sky

Ja, und dann gab’s am Ende doch noch ein Abenteuer! Wir haben noch mal eine Food Tour gebucht (s. die erste in Hanoi!), dies mal aber nicht zu Fuß, sondern auf dem Motorroller. Da kommen uns um 1:00  Uhr zwei junge Vietnamesen abholen, Ana (25) und Jack (24), beide mit Motorroller. Wir kriegen einen Sturzhelm aufs Haupt und springen (ha, ha) hinten aufs Moped. So lernen wir zum Schluß noch den vietnamesischen Verkehr aus der Perspektive im Sattel kennen.

Und das geht so: Erst mal losfahren, einfach in den rauschenden Verkehr einfahren, die anderen machen Platz, indem sie um uns herum fahren, dann Gas und erst mal alle überholt. 10 cm vor einem Auto eingeschert, an der Ampel gehalten, aber natürlich ganz vorne (so wie 80% aler anderen auch). Dann wird die Ampel vom Querverkehr rot, unsere bleibt noch rot, wir fahren aber schon mal los und deswegen sind wir auch wieder ganz vorne. Aber nicht ganz, denn die Rechtsabbieger vom Gegenverkehr sind auch schon mal losgefahren und so begegnen wir uns mitten auf der Kreuzung. Das macht nichts, denn nun fahren alle durcheinander dahin, wo sie hin müssen und jeder fährt um jeden herum. So geht es weiter, ich habe volles Vertrauen auf meinen Fahrer, Jack (Sparrow?), er kennt es nicht anders.

Dann sind wir an der ersten von 5 Speise Stationen. Wir stehen an einem Park, wo es lauter Straßen-Küchen gibt. Die beiden Ana und Jack holen Papaja Salat, er ist außerordentlich delikat, es kommt noch ein dritter von „Food Tour“ hinzu und er macht Fotos. Die werden wir übers Internet bekommen, ich liefere sie später nach – also in 2-3 Tagen nochmal hier reinschauen. Dann geht es weiter, wir aufs Moped und unerschrocken in den rauschenden Verkehr.

Jack kennt ein paar Abkürzungen. Die gehen in Hinterhöfe, die wir alleine niemals betreten würden. Der Hinterhof hat hinten eine Ausfahrt, die etwa 1,50 m breit ist. Das macht aber nichts, denn das Moped ist ja nur 1,45 m breit und wir haben auch nur 1,20 Schulterbreite. Also hindurch, nur kommt uns leider ein anders Moped entgegen mit einer netten kleinen Vietnamesin drauf, die aber dem Charm von Jack Sparrow erliegt und rückwärts Platz macht.

Weiter geht’s und wir erreichen unsere zweite Ess Station, die liegt sozusagen auf dem Bürgersteig. Köchin ist eine Dame, die das seit 40 Jahren schon macht und die sehr ausgezeichnete gebratene Frühlingsrollen mit Reis und anderen Fleischstücken macht. Wir machen ihr „Compliments to the Kitchen“ und sie ist ganz erfreut. Deswegen gibt es wieder Fotos und einen herzlichen Abschied, denn es geht weiter. Auf dem Weg werden wir von einem Motorroller überholt, auf dem 5 (fünf) Personen sitzen, ein Vater mit seinen 4 Kindern, die aber alle Judokas sind. Einer hat den gelben Gürtel, die anderen (vermuten wir) alle den schwarzen.

Wir halten an unserer dritten Station, dort gibt es Krabben. bei unserer Tour wird Service groß geschrieben, deswegen bekommen wir sie ausgepuhlt. So geht es immer weiter und nach 4 Stunden sind wir wieder im Hotel und haben zu Schluß unserer Vietnam Reise den Verkehr in Saigon mal von innen kennen gelernt. Was sagen wir? Alles halb so wild, es ist eine reine Nerven Sache. Und Immer hupen und Gas geben, dann geht es flott vorwärts.

Jack & Ahn

Auf Wiedersehen Vietnam !